Die Verknappung der Fleischmenge

Ernährung ist für viele Menschen nicht mehr völlig irrelevant. Das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und eine faire, ökologische und ethische Erzeugung von Nahrungsmitteln ist in den letzten Jahren geschärft worden. Das liegt zum einen an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Vermittlung dieses Wissens. Zum anderen wird Essen zunehmend zu einem Trend. Mit einer bewussten und moralisch gebotenen Ernährungsweise wollen sich besonders junge Menschen von der breiten Masse der Bevölkerung abgrenzen und individuell sein.
Dennoch steigt der Fleischkonsum weiter – obwohl er angesichts der Bedingungen, unter denen Tiere für die Fleischproduktion gehalten werden, besonders fragwürdig ist. Zwar essen weniger Menschen Fleisch. Diejenigen, die aber weiterhin Fleisch essen, konsumieren größere Mengen.
Wer Vegetarismus oder gar Veganismus nicht radikal auslebt, lässt sich als Flexitarier bezeichnen. Flexitarier ernähren sich nicht konsequent vegetarisch oder vegan, sondern essen Fleisch in geringen Mengen. Oftmals gönnen sie sich Bio-Fleisch, wenn sie mal zum Schnitzel greifen. Die Tiere hatten dann meistens etwas mehr Platz in den Ställen und eine gesündere Ernährung. Was in Punkto Tierwohl noch immer nicht optimal für die Tiere ist, ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

©Hubble2008/pixelio.de
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Man sollte sich jedoch nicht der Illusion hingeben, dass die ethischen Probleme bei der Fleischproduktion beseitigt wären, wenn alle Menschen weniger und dafür dann Bio-Fleisch essen würden. Die kategorische Kritik am Fleischkonsum sei hier sogar der Einfachheit halber ausgeklammert. Eine artgerechte Tierhaltung erfordert viel Platz und Geld, sodass der Bedarf an Fleisch trotz geringerer Nachfrage nicht gedeckt werden könnte. Abgesehen davon könnten sich viele Menschen kein teures Bio-Fleisch leisten.
Die einzige Möglichkeit, mit der man das Tierwohl bei der Mast und das Bedürfnis der Menschen nach Fleisch miteinander vereinbaren könnte, wäre die Verknappung der Fleischmenge auf dem Markt. Was ein bisschen an die DDR erinnert, wäre hier jedoch ein bewusstes und freiwilliges Zurückstecken der Menschen zugunsten des Tierwohls. Denn nur wenn die maximale Anzahl an Tieren, die man artgerecht halten kann, nicht überschritten und mit Massentierhaltung kompensiert wird, kann man guten Gewissens zum Schnitzel greifen – falls man noch eines bekommt.
Doch solange wir den Anspruch haben, jedem Menschen zumindest einmal pro Woche Zugang zu Fleisch zu ermöglichen, werden wir um die grausame Ausbeutung der Tiere nicht herumkommen. Es gibt schlichtweg zu viele Menschen auf der Erde, die Fleisch essen möchten. Es ist unmöglich, die benötigte Fleischmenge mit artgerechter Tierhaltung zu erzeugen – selbst, wenn wir unseren Konsum reduzieren würden.