Sklavenarbeit für die Fußball WM

Des einen Freud ist des anderen Leid
Im Jahr 2022 findet die Fußball-WM in Katar statt. Zugegeben: bis dahin dauert es noch eine ganze Weile. Schlagzeilen ist dieses Thema aber trotzdem schon wert. Denn es kursieren allerlei Gerüchte über Sklavenarbeit durch die Medien – Sklavenarbeit, die durch die Fußball WM sogar gefördert wird. Als die ersten Berichte über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen aufkamen, bezog Franz Beckenbauer ziemlich klar Stellung dazu. Er sagte:

 “Ich habe noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Die laufen alle frei rum, weder in Ketten, gefesselt und nicht mit Büßerkappe am Kopf. Ich habe mir vom arabischen Raum ein anderes Bild gemacht und ich glaube, mein Bild ist realistischer.”

Doch Beckenbauer liegt damit definitiv falsch! Amnesty International hat die unmenschliche Lage der Gastarbeiter in Katar dokumentiert. Die Arbeiter bekommen kein Geld, können ihre Familien nicht unterstützen – und sie dürfen weder den Job wechseln, noch das Land verlassen. Das sind Zustände, die sich durchaus als Sklaverei bezeichnen lassen. Doch was hat das eigentlich mit der Fußball WM zu tun?
Die Stadienbauten für die Weltmeisterschaft beginnen erst in diesen Tagen. Auf diesen WM-Baustellen werden auch viele Ausländer beschäftigt werden, denn 95 von 100 Arbeitnehmern in Katar sind Gastarbeiter. Der Weltfußball-Verband Fifa hat nach der Vorlage des Berichtes von Amnesty International an Katar appelliert, die Bedingungen für Gastarbeiter schnellstmöglich zu verbessern. Und tatsächlich seien die Signale aus dem Land nach Angaben der Menschenrechtsorganisation positiv.

©R. B./pixelio.de

Doch es ist fraglich, ob so gravierende Probleme und Verstöße gegen menschenwürdige Arbeitsbedingungen mal so eben verbessert werden können. Es geht hier immerhin um eine Menge Geld. Viele Unternehmen werden daher nicht bereit sein, Gastarbeitern faire Löhne zu zahlen und gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Viele werden dies wohl noch nicht einmal können, selbst wenn sie es wollten. Denn das Geschäftsmodell der Unternehmen wird nicht darauf ausgerichtet sein. Eine schnelle Umstellung für mehrere Jahre würde den Ruin bedeuten. Will man also bis 2022 qualitativ vernünftige Stadien haben, wird man ums Ausbeuten nicht herumkommen. Die Frage ist nur, ob man unter diesen Gesichtspunkten die WM in Katar austragen sollte. Gemeinschaft zu zeigen und somit ermöglichen, dass die WM reihum in jedem Teilnehmerland gastieren darf – das ist sicherlich eine schöne Geste der Freundschaft. Doch wenn diese Geste durch die Ausbeutung von Gastarbeitern gestützt wird, dann sollte sich die Fifa ernsthaft fragen, ob dies der richtige Weg ist. Eine Beschränkung auf Austragungsorte, in denen ein gewisses Mindestmaß ein Arbeitsschutzrechten gewahrt wird: das mag zwar einige Länder ausgrenzen, die dann keine Gastgeber der WM sein dürfen. Doch würde die Fifa dann zumindest nicht an der Ausbeutung und Würdeverletzung vieler Arbeiter beteiligt sein. Und das scheint wichtiger, als die Kränkung eines Landes, weil es kein Austragungsort sein darf. Es liegt schließlich an den Ländern selbst, menschwürdige Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen. Und vielleicht wäre ein Ausschluss als Gastgeberland für die betroffenen Länder sogar ein Anreiz, die Bedingungen der Arbeiter zu verbessern. Denn eine WM im eigenen Land bringt bekanntlich Geld.
Katar wird wohl Austragungsort der Fußball WM 2022 bleiben. Es bleibt zu hoffen, dass man zukünftig umsichtiger wird, wenn es darum geht, ein Gastgeberland auszuwählen.

1 Kommentar

  1. Von der Sklaverei zur Zinswirtschaft

    “Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren, und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.”

    Morpheus (Matrix)

    Es ergibt sich die nur auf den ersten Blick erstaunliche Tatsache, dass die Ausbeutung im Laufe der Jahrtausende ihrem Wesen nach gänzlich gleich geblieben ist. Es ist grundsätzlich dasselbe, ob in der Vergangenheit der Sklave als Arbeitsmotor infolge seiner persönlichen und daher wirtschaftlichen Unfreiheit unmittelbar für seinen Herrn fronen musste; oder ob im heutigen Privatkapitalismus der Arbeitende vorwiegend infolge des Geld- und Bodenmonopols – also infolge einer unfreien Wirtschaft – nur einen um den Zins verkürzten Arbeitsertrag erhält oder ob schließlich in dem von den Marxisten gepredigten Staatskapitalismus, der sich fälschlich als Sozialismus ausgibt, infolge der Monopolisierung nahezu der gesamten Wirtschaft durch den Staat der Grundsatz der wirtschaftlichen Unfreiheit zur höchsten Potenz erhoben, die Ausbeutung also auf die Spitze getrieben wird, wobei der Zwangsarbeiter zusehen muss, was – nach Befriedigung der Ansprüche der herrschenden Bürokratie und des riesenhaft aufgeblähten Staatsapparates, die begreiflicherweise den Vorrang genießen – zuletzt für ihn übrig bleibt. In allen drei Fällen ist das Ausbeutungsprinzip dasselbe geblieben, bedingt das Monopol die Einschränkung oder gar den Ausschluss der Konkurrenz und damit zugleich die Ausbeutung.

    Nur in der Technik der Ausbeutung besteht ein Unterschied.

    War es früher erforderlich, Sklaven, das heißt persönlich unfreie Menschen, zu halten, um sie auszubeuten, so bringt die Zinswirtschaft das Kunststück fertig, den Menschen sämtliche persönlichen und politischen Freiheiten zu gewähren und sie trotzdem auszubeuten. Obgleich Zinsnehmer und Zinszahler (angeblich) rechtlich einander gleichgestellt und ebenbürtig sind, vermag der eine sich die Früchte der Arbeit des anderen anzueignen. Diese legalisierte Ausbeutung beruht, wie gesagt, auf dem Vorhandensein von Monopolen. An die Stelle des Sklavenhalters ist im modernen Rechtsstaat der Zinsbezieher, an die Stelle des Sklaven der Zinszahler getreten. Die Ausbeutung erfolgt nicht mehr unmittelbar durch die Aneignung der Arbeit des Sklaven, sondern mittelbar durch das Monopol. Es ist begreiflich, dass die Sklaverei für die Ausbeuter uninteressant wurde, seitdem man die wirtschaftliche Unfreiheit der Auszubeutenden – diese einzige Voraussetzung einer jeden Ausbeutung – anstatt durch persönliche Freiheitsberaubung durch die Monopole zu erzielen vermochte:

    Marktgerechtigkeit

    Die erste vollständige Theorie zur Herstellung absoluter Marktgerechtigkeit wurde bereits im Jahr 1906 veröffentlicht – konnte aber vom “Normalbürger”, der sich gedanklich eben nicht in der Realität, sondern noch immer im “Programm Genesis” befindet, bis heute nicht verstanden werden:

    Einführung in die Wahrheit

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