Es gibt keine Energiekrise

Nur (m)eine Meinung #48: Es gibt keine Energiekrise

Aufgrund der Energiekrise und der dadurch deutlich gestiegenen Energiepreisen werden viele Menschen spätestens bei der nächsten Jahresabrechnung eine bitterböse Überraschung erleben. Uns alle erwartet voraussichtlich eine Nebenkostennachzahlung von mehreren Hundert Euro. Wenn im kommenden Jahr die Abrechnung für 2022 erstellt wird, wird es sogar noch schlimmer werden. Viele Deutsche haben daher schon vor ein paar Monaten mit dem Sparen begonnen. Sie duschen kürzer und etwas kühler als sonst. Sie werden im Herbst später und niedriger heizen. Und sie werden ihre Kleidung erst nach dem zweiten Mal Tragen in die Wäsche werfen, damit die Waschmaschine nicht so oft laufen muss.

Und an dieser Stelle nun könnt ihr mich als aus der Zeit gefallen bezeichnen. Denn all diese Sparmaßnahmen sind mein normaler Alltag. Dies hat nichts mit meiner finanziellen Situation zu tun. Diesbezüglich habe ich nichts zu meckern. Vielmehr bin ich so erzogen worden. Unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft ist mir weitgehend fremd. Meine Oma erlebte noch den zweiten Weltkrieg und die Zeit der Entbehrungen unmittelbar danach. Sie lehrte meine Mutter, sparsam mit allem umzugehen und das Wenige zu schätzen. Diese Werte gab meine Mutter an mich weiter.

USA Reiseblogger Heizung
©USA-Reiseblogger/pixabay.com

Ich bin 32 Jahre alt und trage noch regelmäßig Oberteile, die ich schon seit 10 – 14 Jahren besitze (diese haben übrigens eine bessere Qualität als heutige Kleidungsstücke. Ich war schon gezwungen, Oberteile wegzuwerfen, die ich erst vor 3 oder 4 Jahren kaufte). Ich dusche mich – außer im Hochsommer – nur einmal bis zweimal pro Woche und nutze ansonsten einen Waschlappen. Ich trage meine Kleidung mit Ausnahme der Unterwäsche mehrfach, bevor sie in der Wäsche landet. Ich schalte sowohl zuhause als auch im Büro das Licht aus, wenn es hell genug ist oder ich einen Raum verlasse. Ich schalte bei Zähneputzen und beim Einseifen unter der Dusche das Wasser aus. Während viele Menschen diese Verhaltensweisen als harte und unbequeme Sparmaßnahmen ansehen, sind sie für mich seit jeher Alltag.

Für mich ist es unverständlich, warum das machen Menschen schwer fällt oder warum sie dies als Einschränkung erleben. Aus meiner Sicht handelten die meisten Menschen bisher verschwenderisch – und zwar auf eine perverse Art und Weise. Dabei ist ein umsichtiger und ausgewogener Lebensstil einfach und bietet drei große Vorteile: erstens spart man viel Geld, zweitens schont man die Umwelt und drittens spart man Zeit. Ich hätte gar keine Lust, alle drei Tage oder öfter die Wäsche zu waschen. Allein deshalb lohnt es sich schon, auch mal die Nase an das T-Shirt zu halten und zu prüfen, ob es wirklich schon gewaschen werden muss.

Solange es Menschen gibt, die meinen normalen Alltag als harte Zeit der Entbehrung erleben; es noch Gebäude gibt, die nachts angestrahlt werden und Menschen im ALG II – Bezug ungebremst Gas und Strom auf Kosten der Allgemeinheit verbrauchen können, weil Nachzahlungen ungeachtet ihrer Höhe vom Amt übernommen werden, kann man noch nicht von einer Energiekrise oder unzumutbaren Zuständen für die Bevölkerung sprechen. Uns geht es scheinbar immer noch viel zu gut.


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