Bevölkerungswachstum verhindern

Hunger, Krankheiten und Krieg – das Leben vieler Millionen Menschen ist jeden Tag bedroht und viele von ihnen sterben daran. Dennoch verzeichnete die menschliche Spezies im vergangenen Jahr ein Plus von rund 83 Millionen. Zum 1. Januar 2016 lebten laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung in Hannover rund 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt.
Laut dem Volkswirt und Demographen Herwig Birg sei diese Zahl kein Grund zur Beunruhigung, „[…] weil mit jedem Menschenleben mehr Werte verbunden sind als Gefahren, Risiken oder Schäden. Die Natur selbst hat, bevor es den Menschen gab, mehr Spezies vernichtet, als wir es jemals tun können.“[1]
Birg hat nicht ganz Unrecht. Durch Umwelteinwirkungen und Katastrophen starben viele Lebewesen aus – nicht zuletzt die Dinosaurier. Anpassungsfähige Lebewesen existieren heute noch immer. Zudem sind viele neue Tier- und Pflanzenarten entstanden, die an heutige Umweltbedingungen angepasst sind. Der Mensch zerstört jedoch mutwillig und aus Eigennutz – sprich: zielgerichtet – die Tier- und Pflanzenwelt auf der Erde, um sich z.B. neue Landstriche zu erschließen oder die Rohstoffe zu verwenden. An eine fortwährende zielgerichtete Zerstörung der Umwelt – z. B. durch den Bau von Städten – lässt es sich schwerer anpassen, als an eine einmalige Umweltkatastrophe oder die schleichende Veränderung des Klimas. Denn dort wo Tieren und Pflanzen der Raum genommen wird, können keine neuen Arten entstehen. Je mehr Menschen es auf der Welt gibt, desto mehr Fläche werden sie einnehmen müssen. Tiere und Pflanzen haben erst dann wieder das Potenzial, sich auszubreiten und neue Arten hervorzubringen, wenn die Menschen weniger dominant sind. Dies wird nur über eine Reduktion der Weltbevölkerung möglich sein, da der Mensch bekanntlich nicht fähig ist, aus Fehlern zu lernen und trotz der bestehenden Möglichkeiten Hunger und Krieg abzuschaffen. Herwig Birg selbst benutzt in seinen Erläuterungen dazu die Begriffe „könnten“ und „müssten“, um die Probleme unserer hohen Population zu beseitigen.

©Marco Kröner/pixelio.de
©Marco Kröner/pixelio.de

Das Bevölkerungswachstum lässt sich jedoch nicht so leicht verhindern – zumindest dann nicht, wenn man eine moralisch verträgliche Methode anwenden möchte. Die Sterilisierung von Teilen der Bevölkerung wäre ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Menschen. Zudem müsste der Teil der Bevölkerung ausgewählt werden, der sich nicht weiter vermehren darf. Wer sollte das tun und nach welchen Kriterien sollte er diese Entscheidung treffen? Hier würde man Gefahr laufen, ein Kapitel der Menschheitsgeschichte zu wiederholen, das wir eigentlich längst begraben haben sollten.
Birg sieht einen humanen Ausweg aus diesem Dilemma: „Meine Theorie sagt, dass Menschen bei der Fortpflanzung nicht nach biologischen Impulsen handeln, so wie das bei Tieren ist. […] Je mehr Kinder sie sich leisten könnten, desto weniger haben sie.“ Der Schlüssel zur Reduktion der Weltbevölkerung, die er übrigens ab 2070 vorausberechnete, liege in Entwicklungskontinenten. Die hohe Geburtenrate in Afrika liege beispielsweise in der Absicht, die hohe Kindersterblichkeit auszugleichen und in der Vorstellung, dass ein Mensch, der keine Kinder zeuge, weniger Wert sei. „Wir bräuchten überhaupt keine Verhütungsmittel zu verteilen, wenn die Entwicklung in Afrika in Gang gebracht würde. Aufklärungsarbeit ist das Allerwichtigste.“, so Birg.
In Anbetracht der Tatsache, dass täglich tausende von Menschen aus afrikanischen Ländern fliehen, weil Krieg und Hunger das Leben der dortigen Bevölkerung dominieren, während Aufklärung trotz Bemühungen internationaler Hilfsorganisationen auf sich warten lässt, darf es bezweifelt werden, dass wir die Probleme unserer Vorherrschaft auf der Erde in den Griff bekommen werden, bevor wir die magische Marke von 8 Milliarden erreichen. Bis dahin schädigen wir uns und unsere Umwelt weiter.

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[1] https://www.tagesschau.de/ausland/interviewbirg100.html [Interview vom 31.10.2011; abgerufen am 05.08.16]