Waffen für Privatpersonen

Ein Blick auf die USA
Vor einigen Tagen tötete James Holmes (24) bei einer Kinopremiere von „Batman“ in Colorado zwölf Menschen mit verschiedenen Waffen, wie einem Sturmgewehr, einer Schrotflinte und einer Glock-Pistole. Viele weitere Personen wurden verletzt. Kurze Zeit nach dem Amoklauf sprach sich Präsident Obama für bessere Waffenkontrollen aus. Ein Sturmgewehr gehöre in die Hand von Soldaten und nicht in die von Kriminellen, sagte Obama bei einer Veranstaltung in New Orleans. Es müsse alles getan werden, um Kriminelle vom Erwerb von Waffen abzuhalten.

Seit diesem tragischen Zwischenfall ist die Diskussion um das Waffengesetz in den USA erneut entbrannt. In Colorado stieg der Verkauf von Waffen wenige Tage nach dem Amoklauf um 41% an. Die Bürger haben Angst und möchten sich im Falle eines zukünftigen Gewaltverbrechens schützen können.
Ein kurzsichtiger Gedanke mit eventuell fatalen Folgen. In einer Angst- und Stresssituation ist es vorteilhaft, einen kühlen Kopf zu bewahren. Des Weiteren ist es hilfreich, wenn man mit einer Waffe umgehen kann. Dass ein durchschnittlicher Amerikaner zu beidem in einer Gefahrensituation in der Lage ist, darf angezweifelt werden. Aus Angst könnte eine wilde Schießerei entstehen, bei der noch viel mehr Menschen getötet würden – mal ganz abgesehen davon, dass viele nicht richtig zielen könnten und die falschen Personen hinrichten würden.
Diese Vorstellung mag überzogen sein, aber ich will damit sagen, dass sich das Risiko erhöht, dass Situationen weiter außer Kontrolle geraten und noch mehr Menschen verletzt und getötet werden könnten, als ohnehin schon. Von der moralischen Bewertung des meiner Meinung nach etwas altmodischen Rechtsverständnisses „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ will ich gar nicht erst sprechen.

Sicherlich könnte der Besitz von Waffen Vorteile mit sich bringen. Wer mit ihnen umgehen kann und Ruhe in Notsituationen bewahrt, kann einen Amokläufer außer Gefecht setzen, ohne ihn zu töten oder schwer zu verletzen und damit ein Unheil verhindern. Doch es ist naiv anzunehmen, dass mehr als ein Bruchteil der Bevölkerung solche erstrebenswerten Qualitäten besitzt. Das Risiko von Schaden ist immens größer als der erhoffte Nutzen.
Fakt ist, dass über 31.500 Amerikaner jedes Jahr durch Waffengewalt ums Leben kommen. Mehr als 100.000 erleiden jedes Jahr Schussverletzungen. Die Dunkelziffer ist nicht in diesen Zahlen eingerechnet.
Doch eine Verschärfung des Waffengesetzes wird es trotz vernünftiger Argumente in den USA so schnell nicht geben, denn die Waffenlobby (NRA) ist viel zu mächtig. Nach dem Anschlag auf den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan wurde mehr als zehn Jahre intensiv dafür gekämpft, dass eine simple Regelung zum Gesetz erhoben wird, die vorsieht, dass man seine gekaufte Waffe erst nach fünf Tagen abholen darf – um Affekthandlungen zu verhindern und die Personalien des Käufers zu prüfen. Die NRA startete eine großangelegte Kampagne gegen diese Regelung und finanzierte sogar eine Verfassungsklage. Nach vier Jahren wurde das Gesetz gekippt.

Solange also die Waffenlobby so mächtig bleibt, wie sie ist, kann sich fast jeder US-Amerikaner ungehindert von seinen augenblicklichen Emotionen leiten lassen und eine Waffe zulegen.

4 Kommentare

  1. Dir ist schon klar, dass der größte Teil der Schusswaffentote in den USA bei Bandenkriegen “anfällt”? Das sind fast durchgängig illegale Waffen, die bekommt man auch mit einem strengen Waffengesetz nicht bei.

    Ein anderes Beispiel wäre die Schweiz, dort gibt es in fast jedem Haushalt vollautomatische Schusswaffen und die haben keine großartig andere Mord/Totschlagrate als wir hier.

    • Dass der größte Teil der Schusswaffentoten in den USA durch Bandenkriege anfällt, war mir nicht bekannt. Kannst du deine Aussage belegen?
      Auch dass die Schweizer fast alle eine Waffe haben, war mir nicht bekannt und würde ich gerne belegt haben. 🙂
      Aber vielleicht tun sich hier gerade auch einfach Bildungslücken meinerseits auf.^^

  2. Zu den Bandenkriege: Quelle folgt, bin noch am suchen. Hatte da kürzlich was gelesen.

    Zur Schweiz:

    http://www.lba.admin.ch/internet/lba/de/home/themen/pers0/bewaffnung/stgw90.html

    Sturmgewehr 90, ins Eigentum übernommen
    möglich seit 01.04.2005: 26‘123 Stück

    Sturmgewehr 57, ins Eigentum übernommen
    erfasst seit 01.01.1991: 165‘702 Stück

    http://www.lba.admin.ch/internet/lba/de/home/themen/pers0/bewaffnung/pist75.html
    Pistole 75, ins Eigentum übernommen
    erfasst seit 01.01.2001: 46‘074 Stück

    Zu den Zahlen: In der Schweiz herrscht Wehrpflicht & Milizsystem. D.h. man ist 10 Jahre lang Angehöriger der Armee, in der Zeit bekommt man seiner “persönliche Waffe” und behält die auch permanent! (Google-Suche: persönliche Waffe Schweiz, ganz interessant).

    DANACH, nach den 10 Jahren kann man diese Waffe KAUFEN. Die obigen Zahlen beziehen sich nur auf die GEKAUFTEN Waffen, d.h. es sind fast 200 000 Sturmgewehre (!) in das Eigentum der Leute übergangen. Bei 8 Millionen Einwohner sind das alleine von diesen gekauften Waffen eine ganze Menge.

    Dazu kommen noch die Waffen, die noch offiziell der Armee gehören, aber auch bei den Leuten sind. Erfahrungsgemäß werden nur ca. 20% der abgegebenen Waffen auch tatsächlich gekauft.

    • Vielen Dank für deine Angaben. 🙂
      Jetzt müsste man noch wissen, wie viele Menschen in der Schweiz faktisch an Schusswaffenverletzungen sterben und unter welchen Umständen sie zu Stande gekommen sind. Aber wenn die Zahl ungewöhnlich hoch wäre, denn hätte man vermutlich schon davon gehört.

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