Selbstgespräche

Sei ehrlich zu dir selbst
Es war wieder einer dieser Tage, an dem ich alleine zu Hause war und die Gelegenheit nutzte, ein bisschen über mich nachzudenken. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass ich die ganze Zeit ein Selbstgespräch führte. Nur gut, dass sonst niemand da ist, dachte ich mir im ersten Moment.
Wenn jemand Selbstgespräche führt, macht dies zunächst einen merkwürdigen Eindruck – besonders auf die Leute, die es mitbekommen. Schnell ist man geneigt, denjenigen als Verrückt abzutun und ihm einen Dachschaden nachzusagen. Wer mit sich selbst rede, habe wohl keine guten Freunde, an die er sich richten könne und sowieso scheine er psychisch angeschlagen zu sein.
Doch vermutlich müssen wir alle zugeben, dass wir schon das eine oder andere Mal mit uns selbst gesprochen haben – und dass uns dies sogar ziemlich gut tat.
Tatsächlich helfen uns Selbstgespräche dabei, Probleme besser zu analysieren und Lösungswege zu finden. Führen wir Selbstgespräche, werfen wir oftmals einen differenzierteren Blick auf unsere Probleme und reduzieren unsere Wut. Der US-Psychologe Thomas Brinthaupt hat dies in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen.
Personen, die Selbstgespräche führen, haben also nicht unbedingt einen Dachschaden, denn die Gespräche mit sich selbst sind grundsätzlich positiv zu bewerten.

©Jürgen Nießen/pixelio

Problematisch werden sie erst dann, wenn man sich selbst ständig abwertet, beschimpft und diese Abwertungen pauschalisiert. Denn dieses ständige Kreisen um das eigene angebliche Versagen schwächt das eigene Selbstwertgefühl und ruft Unsicherheit hervor. Irgendwann ist man so von der Wahrheit seiner eigenen Aussagen überzeugt, dass man sein verzerrtes Weltbild als solches gar nicht erkennt.
Viel sinnvoller ist es, ehrlich zu sich selbst zu sein – sowohl wenn es um positive, als auch um negative Eigenschaften geht. Verdeutlicht man sich selbst durch das Sprechen mit sich selbst seine Stärken und seine Fehler, ist man eher in der Lage, über sich selbst Klarheit zu bekommen und effektiver Lösungen für seine Probleme und Kummer zu finden. Für solche Verarbeitungsprozesse sollte man möglichst alleine sein, da man unangenehme Wahrheiten über sich selbst wohl kaum laut zur Sprache bringen möchte, wenn andere Personen in Hörweite sind. Auch können sie ablenkend sein und den eigenen Gedankengang zerstören.
Mir selbst haben Selbstgespräche schon so manches Mal geholfen, auf neue Ideen und Lösungen auf Schwierigkeiten zu kommen. Auch in Zukunft werde ich manchmal ein ernstes und interessantes Gespräch mit mir führen.

1 Kommentar

  1. Eine Differenzierung des status quo und der Problematiken, die einen beschäftigen, kann man auch ohne ein hörbares Selbstgespräch nutzen. Es geht hierbei einfach wie viel Praxis man hat Begebenheiten durch eine abstrakte Form aus zu drücken, diffenzieren und zu analysieren. Somit hilft ein solches Gespräch nur zu Anfängen, da man bedacht sein sollte seine Fähigkeiten immer weiter zu schulen und zu schärfen, wodurch die eigenen Gedankengänge immer extravagant-abstakte Formen annehmen. Durch diese lassen sich viel komlexere Themen in nur Bruchteilen der Zeit lösen. Man stelle sich doch einfach mal vor, dass man einen jeden Gedanken und jedes Gefühl, das man verpürrt auch zeitgleich aufsagen soll – ein Ding der Unmöglichkeit, da wir städig von anderen Reizen überflutet werden. Deshalb ist ein jedes Gespräch auch nur eine “Kurzfassung”, somit auch ein Selbstgespräch, wobei man bei diesem den Anderen auf einer instinktivem Weise viel schneller versteht – man teilt ja die gleichen Emotionen und Gedanken. 😉

    Wieso helfen uns Selbstgespräche also? Ich will nicht behaupten alle Faktoren zu kennen, doch eines von denen ist eine mehrfache Konfrontation und somit Verarbeitung des Gehirn mit der gewählten Problematik. Angenommen man steht emotional unter Stress wegen des Problems “A”. Dann durchdenkt man die Informationen dazu und man verspürrt Emotionen dazu. Bei einem Selbstgespräch geht man dann aber noch einen Schritt weiter und formuliert Worte zu dem Problem A, hört dann die formulierten Worte und während jedem Schritt analysiert unser Gehirn blitzschnell die Informationen zu einem Sachverhalt A aus verschiedenen Sichtweisen: Gedanken, Gefühle, formulierte Worte und gehörte Worte. Man wird mit dem Problem A also quasi bombardiert, weshalb es oft hilft auf neue Ideen zu kommen.
    Nicht zuletzt ist es auch praktisch mit sich selbst zu reden, um vermeintliche Gegenreaktionen vor zu beugen, denn wie oft hören wir von anderen etwas unangenehmes, wenn wir uns anderen Menschen anvertrauen…?

    Eine interessate Frage in diesem Zusammenhang ist die gespaltene Persöhnlichkeit – ein Resultat aus einer Diffenzierung des eigenen “Ich” bis auf eine extreme Stuffe. Es kann als Reaktion auf verschiedene Probleme erfolgen, beispielweise als Schutzmechanismus auf ein Trauma, um das primäre “ich” zu schützen und damit das Überleben des Individuums zu sichern oder wenigstens zu erhöhen. Für viele – nein – die meisten Menschen heute hört sich das als “krank” an, doch leiden wir alle unte einer gespaltenen Persöhnlichkeit, manche nur mehr und manche weniger. Oder anders ausgedrückt: wir alle tragen Masken und spielen unsere Rollen: Student, Sohn, Freund, Liebhaber, Feind, Lehrende, Lernende und viele mehr. All diese Persöhnlichkeiten nutzen wir jeden Tag – wir SIND unzählbar viele Personen. Die interessante Frage hieraus wäre dann: sind alle die Persöhnlichkeiten nur Teile von uns, nur einige von denen sind wir oder gibt es nicht wirklich ein “Ich” und wir sind in jeder Sekunde eine andere Person?…

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