Oh! Hab ich vergessen!

Herausforderung Zuverlässigkeit
Für ein Medienprojekt brauchte ich vergangene Woche einen Protagonisten, der ein Interview vor der Kamera mit mir führt. In meinem Bekanntenkreis fragte ich deshalb einige Leute, ob sie bereit dazu wären mit der Bitte, mir bis spätestens Sonntag zu antworten.
Von einer Person abgesehen warte noch bis heute auf die Antworten!
Bei einigen Person hätte ich zwar eine Absage erwartet, was ärgerlich aber völlig in Ordnung gewesen wäre. Stattdessen meldete man sich gar nicht bei mir. Zum Glück fragte ich direkt mehrere Leute gleichzeitig, sodass ich nun einen Protagonisten gefunden habe.
Dies war nur eine von mehreren Situationen, in denen ich von meinen Mitmenschen Unzuverlässigkeit erfahren habe. Auch ein guter Freund von mir leidet unter der Unzuverlässigkeit einiger Mitmenschen.
Für viele Menschen scheint Zuverlässigkeit eine Tugend zu sein, mit der sie völlig überfordert sind. Ich halte sich für selbstverständlich und bin der Ansicht, dass es viel über einen Menschen aussagt, wenn er diese Fähigkeit nicht besitzt. Aber warum ist es so schwer, sich an einfache Dinge wie Verabredungen zu halten oder einfach nur jemandem eine Antwort zukommen zu lassen?

©Gerd Altmann / pixelio.de

Ich denke, dass zwei wichtige Dinge dabei eine Rolle spielen und bei beiden Dingen ist „Mühe“ eine wichtige Eigenschaft. Zum Einen haben wohl viele Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn sie einer Person absagen müssen bzw. generell etwas mitteilen müssen, das der andere nicht gerne hört. Meine Bekannten haben die Antwort an mich wohl lieber „vergessen“, als sich die Mühe zu machen, eine mir unbequeme Antwort zukommen zu lassen.
Zum Anderen ist Egoismus wohl eine wichtige Ursache für Unzuverlässigkeit. Wer einfach aus Bequemlichkeit keine Lust hat, jemandem eine Gefälligkeit zu erweisen, erdreistet sich dann auch gerne und lässt die betroffene Person links liegen. Wer Termine sausen lässt, weil er nach Festlegung des Termins plötzlich die Möglichkeit hat, etwas viel Schöneres zur selben Zeit zu machen, ignoriert er die Vereinbarung mit der anderen Person einfach. Hauptsache er hat seinen Spaß und muss sich nicht mit lästigen Dingen wie „Planung“ herumärgern. Sich für einen anderen aufzuopfern und auf den anderen angenehmeren Termin zu verzichten, ist natürlich zu viel verlangt.

©Gerd Altmann/all-silhouettes.com/pixelio.de

Überrascht bin ich immer wieder, wie gut Menschen mit einem solchen Verhalten durchs Leben gehen können. Folgt auf Aktion nicht Reaktion und sie erfahren Unzuverlässigkeit in späteren Situationen am eigenen Leib? Oder verspielen sie sich nicht mit ihrem Verhalten das Wohlwollen ihrer Mitmenschen, wenn sie mal selbst darauf angewiesen sind?
Meine Erfahrung zeigte mir in letzter Zeit immer wieder, dass die Zahl der Menschen, die an ähnlichen Werten festhalten wie ich, ziemlich gering ist. Haben Tugenden wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit/Aufrichtigkeit, Rücksichtnahme etc. heutzutage ihre Bedeutung und Relevanz verloren?
Für mich sind sie nach wie vor wichtig, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass man leichter seine Ziele erreicht, wenn die genannten Tugenden (und sicherlich einige weitere Eigenschaften) von allen Mitgliedern einer Gemeinschaft ernstgenommen werden und praktische Konsequenzen für ihr Handeln und Unterlassen haben.

2 Kommentare

  1. Guten Tag liebes Dance-Man Blogteam!

    Ich kann mich mit dem Artikel absolut identifizieren, oder zumindest mit dem Inhalt! Das ich in letzter Zeit auch häufig mit Unzuverlässigkeit zu tun habe, hast du ja in deinem Artikel auch angemerkt.
    Passierte mir zuletzt mit zwei Personen an einem Tag. Man wollte sich treffen und verabredete sich in einem bestimmten Zeitintervalls. Wenige Minuten vor Beginn dieses Intervalls fragte ich nochmal nach, wann genau man sich denn treffe, um dann eiskalt eine Absage zu bekommen!!!
    Und das, obwohl man sich ja vielleicht Tage voher schon die Zeit extra freigehalten hat, damit man diese Leute trifft. Sowas ist nicht nur unzuverlässig, sondern auch total, wenn nicht sogar megatotal daneben! Da frag ich mich schon manchmal, was ich überhaupt von diesen “Freunden” habe, für die man sich teilweise aufopfert und sich Zeit einräumt, sie sogar Nachts um 1 Uhr bei Regen vom Bahnhof abholt, weil sie sich ja im Dunkeln gruseln, um dann so eine eiskalte Versetzung (und das ohne eigenfreiwillige Absagung) hinzunehmen. Wenn man das dann mal empört und entzürnt anspricht bekommt man nur ein Grinsen und eine halbherzige Entschuldigung vorgesetzt.
    Ich finde sowas ist auch ein Zeichen von Wertschätzung. Wenn ich Freunde zu einer bestimmten Uhrzeit bestelle und nicht abhole, habe ich wenig Interesse daran, eine gutes Verhältnis zueinander zu bewahren. Ein “Nein, ich habe da einfach keine Lust drauf” habe ich auch generell lieber als ein “Ich weiß noch nicht”, um dann kurz vor Toreschluss abzusagen.

    Zwar bekämpft man Gewalt nicht mit Gegengewalt, aber ich habe sowas zuletzt mit grenzwertiger Gehässigkeit zurückgegeben. Als Ablassventil sozusagen. Sicher nicht jedermanns Sache und auch über die Wertschätzung meinerseits lässt sich dann natürlich diskutieren, aber mir hat es dann doch irgendwie Erleichterung gebracht.

    Aber wie kann man das Problem Unzuverlässigkeit besiegen?
    Habt ihr da auch schon Erfahrungen gemacht?
    Und wie fühlt ihr euch dabei?

    Würde mich mal interessieren, vielleicht kommentiert der ein oder andere nochmal dazu 😉

    Gruß Patrick

    • Patrick Werner :

      Aber wie kann man das Problem Unzuverlässigkeit besiegen?
      Habt ihr da auch schon Erfahrungen gemacht?
      Und wie fühlt ihr euch dabei?

      Würde mich mal interessieren, vielleicht kommentiert der ein oder andere nochmal dazu ;-)

      Gruß Patrick

      Ich denke, wenn ein oder zwei Gespräche mit den betroffenen Personen nichts nützen, dann hilft wohl nur noch das Prinzip “Auf Aktion folgt Reaktion”.
      Das soll natürlich nicht heißen, dass man diese Personen dann bewusst versetzt, aber wenn diese Leute zukünftig Gefälligkeiten von mir erwarten, haben sie Pecht gehabt.
      Wer mich links liegen lässt, hat nicht zu erwarten, dass ich mich für ihn aufopfere, wenn er mal meine Hilfe braucht oder Probleme hat.
      Das ist dann auch nicht kaltherzig – die Personen haben sich dann mein Wohlwollen verspielt. Da muss man dann einfach hart sein!
      Und wenn dann der Kontakt darunter leidet – so what!?! Du kannst auf diese Personen doch eh nicht zählen. Wozu dann versuchen, weiterhin einen guten Kontakt mit ihnen zu pflegen?
      So sehe ich das.

      Wie denkt ihr?

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