Corona und Verhältnismäßigkeit II

Vor weniger als einer Woche war ich aufgrund der Entwicklung mit dem Coronavirus leicht beunruhigt. Ich zweifelte an der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen und hatte die Befürchtung, dass die Medien das Problem größer schreiben als es tatsächlich ist. Vor weniger als einer Woche hatten wir erst 4.585 Erkrankte und 9 Tote in Deutschland. Da bei den meisten Menschen eine Corona-Erkrankung sehr harmlos verläuft, wirkte die normale Grippe mit deutlich mehr Erkrankten pro Jahr und viel mehr Toten viel gefährlicher.

Am 20.03.2020 um 15:30 Uhr haben wir bereits 16.131 Menschen in Deutschland, die gegenwärtig infiziert sind. Da sind die Toten und jene, die bereits wieder gesund sind, noch nicht mit eingerechnet. Die Anzahl der Toten beläuft sich auf 44. Das sind noch immer nicht viele Menschen. Und von einer Belastung der Krankenhäuser kann nicht im Ansatz die Rede sein (Erfahrung aus erster Hand). Wenn die Pandemie jedoch nicht eingedämmt wird und die Zahl der Infizierten weiter in diesem Tempo wächst, wird sich die Situation bald ändern. Dann steht uns das Schlimmste noch bevor.

Virus geralt

Die Diskussion zu meinem letzten Artikel hat spannende Informationen zutage gebracht, die ein Laie nicht unbedingt weiß. So gebe es Abstufungen der Patientenüberwachung in der Intensivmedizin, die sich je nach Schwere und Art der Krankheit unterscheide. Schwere Verläufe bei einer Grippe mögen zahlenmäßig häufiger vorkommen, belasten die Krankenhäuser jedoch anders als Patienten mit einem schweren Corona-Verlauf, da im Letzten Fall u.a. eine Beatmung erforderlich sei. Die Anzahl dieser Intensivbetten ist begrenzt, könnte aber in Gänze benötigt werden, wenn sich das Virus in den nächsten Tagen und Wochen in derselben Geschwindigkeit ausbreitet wie bisher. Im schlimmsten Fall reicht die Anzahl der Betten nicht aus, weshalb man mit den uns bekannten einschränkenden Maßnahmen darauf hinarbeitet, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Mein vorletzter Satz meines letzten Artikels vor knapp einer Woche lautete: „Ich maße mir nicht an, im Besitz der Wahrheit zu sein.“ Aus den Entwicklungen der letzten Tage und aus der Diskussion zu meinem Artikel auf Facebook habe ich gelernt und neue Erkenntnisse gewonnen. Entsprechend hat sich meine Haltung zum Thema auch weiterentwickelt. Würde ich an meiner Haltung, die vor einer Woche durchaus noch nachvollziehbar war, festhalten, wäre ich ignorant. Sowohl die neusten Fakten als auch die neuste Entwicklung bestätigen: Corona ist eine Gefahr und eine Herausforderung. Ich halte mich weiterhin an die Empfehlungen und hoffe, dass wir diese schwere Zeit solidarisch und gesund überstehen werden.