Breaking News zum Germanwings-Flug 4U9525

Mut zur regulären Berichterstattung

Der tragische Absturz der Germanwings A320 war das dominierende Thema in den Medien. Sowohl auf den Online-Portalen fast aller Zeitungen als auch im Radio war das Unglück die Hauptmeldung. Im Fernsehen wurde auf vielen Sendern das Programm für Sondersendungen unterbrochen. Mit Live-Schalten zu Experten und Spekulationen über die Ursache des Unglücks wurde über Stunden hinweg das Programm gefüllt. Auch in Livetickern und auf Twitter nahmen die Spekulationen darüber kein Ende.
Ich selbst habe am frühen Dienstagmittag einen einzigen Artikel zum Flugzeugabsturz gelesen. Am späten Abend sah ich eine Nachrichtensendung, in der gut fünf Minuten über das Unglück berichtet wurde. Ansonsten ist die Berichterstattung darüber komplett an mir vorbeigezogen. Rechne ich die Zeit zusammen, in der ich mich insgesamt über das Unglück informiert habe, komme ich in etwa auf 10 bis 15 Minuten. In diesen großzügig geschätzten 15 Minuten habe ich alle informativen und als gesichert geltenden Informationen erhalten: den ungefähren Hergang des Absturzes, die Zahl und Herkunft der Opfer, den Fund einer Blackbox, die Auswirkungen auf den Flugbetrieb, die Seelsorge-Angebote für die Trauernden, Hintergrundinformationen zur Geschichte der A320.
All diese Information – innerhalb von 15 Minuten in einem Artikel und einer Fernsehsendung.

© O. Fischer/pixelio.de

Und viel mehr relevante Informationen gab es bis Dienstagnacht auch nicht zu vermelden. Der Rest bestand aus unbestätigten Spekulationen, überflüssiger Emotionalisierung sowie Aufbauschung des Themas, um Sendezeit zu füllen und zu zeigen: hey, wir sind relevant, denn wir berichten ganz viel darüber.
Mit dieser Sonderberichterstattung hat nahezu die komplette journalistische Medienlandschaft wieder einmal bewiesen, wie irrelevant und moralisch fragwürdig ihre Arbeit oftmals ist. Denn nicht nur wurden stundenlange Sondersendungen und lange Newsticker mit wenig bekannten und ansonsten unwichtigen Informationen zu einer riesigen hohlen Blase aufgepumpt – moralisch fragwürdig und erstaunlich war es, „[…] wie viele Medien sich in der Gier nach Bewegtbild, das die Pausen zwischen den Spekulationen füllen muss, auch noch zur unverpixelten Verbreitung dieser Bilder [Anm.d.A.: von trauernden Angehörigen] hinreißen ließen“, wie es Thomas Lückerath, Geschäftsführer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL, formulierte. Traurig ist auch, dass es sicherlich genug Menschen gab, die sich von der hohlen Blase der Berichterstattung haben mitreißen lassen und wirklich glaubten, in der stundenlangen Berichterstattung etwas Wichtiges erfahren zu können.
Schade, dass offenbar keine Redaktion den Mut zur regulären Berichterstattung hatte. Die Berichte einer solchen Redaktion wären, zumindest im Netz, vermutlich untergegangen. Ausgerechnet! Denn es wären die einzigen Berichte gewesen, die wirklich Relevanz und Qualität gehabt hätten.