Glaube und Religion – Teil 1

Zwei unterschiedliche Dinge
Der Glaube gehört zur Religion, wie die Flügel zum Vogel. Zumindest kann man sich auf den ersten Blick keine Religion ohne den Glauben vorstellen. Doch was bedeuten „Glaube“ und „Religion“ überhaupt? Ich beginne mal mit dem Glauben.
Rein wörtlich betrachtet ist es vielleicht ganz interessant, drei Bedeutung zu erklären. Im hebräischen benutzt man das Wort „aman“, das so viel wie „sich an etwas festmachen“ bedeutet. Das „fest“ scheint hier der wichtige Teil zu sein – im Sinne von „unerschüttlich“. „Aman“ leitet sich von dem Wort „Amen“ ab. Und das Wort „Amen“ kennen sowohl die Christen, Muslime und Juden aus Gebeten. Da heißt es so viel wie „So sei es“.
Im Lateinischen heißt Glaube „credere“. Das Wort kommt von „cor dare“ und bedeutet „das Herz geben bzw. schenken“.

©Monica / pixelio.de

Mit ein bisschen Fantasie könnte man die hebräische und lateinische Bedeutung miteinander kombinieren. Dann hätte man so etwas wie „ganz fest bzw. unerschüttlich das Herz schenken“. Das klingt so, als würde jemand leidenschaftlich und mit voller Überzeugung an etwas festhalten. Das kommt unserem Alltagsverständnis von „Glaube“ schon recht nah. Allerdings bin ich der Ansicht, dass man „Glaube“ und „Überzeugung“ voneinander trennen sollte, da mir „Überzeugung“ etwas Stärkeres zu sein scheint, nämlich etwas, das keine Zweifel zulässt. Und bei religiösen Themen ist es rational gesehen nicht sehr klug, Zweifel auszuschließen – auch wenn religiöse Menschen das oftmals tun.
In jedem Fall spielt beim Glauben aber Vertrauen eine wichtige Rolle. Gläubige Menschen vertrauen auf die Richtigkeit dessen, was sie glauben.
Und damit sind wir auch schon bei dem deutschen Wort „Glaube“. In religiösem Bezug ist „Glaube“ nichts anderes als die griechische Übersetzung des Substantivs „pistis“. Und das Bedeutet „Treue, Vertrauen“. Religiöser Glaube bedeutet also nichts anderes, als dass jemand etwas von ganzem Herzen für wahr hält und darauf vertraut, dass es wirklich wahr ist.
Zur Frage nach der Definition von „Religion“ mache ich es mir einfach und zitiere aus Wikipedia:

„Als Religion bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen.“

©Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Eine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition von „Religion“ gibt es meines Wissens nach nicht.
Verstehe ich das Zitat richtig, dann wäre menschliches Verhalten zum Beispiel, der Kirchgang, das Feiern von Ostern und Weihnachten und so weiter. Das Handeln wäre dann das Sprechen von Gebeten, das Singen von Kirchenliedern. Das Fühlen beschreibt das Gefühl von Trost oder Hoffnung, die Religion einem schenken kann, aber auch Angst und Hoffnungslosigkeit, wenn man zu einer von der Religion diskriminierten Minderheit gehört. Das Denken verbindet sich so ein bisschen mit den Wertvorstellungen, die uns normativ beeinflussen. Wir binden das, was eine Religion uns lehrt, mehr oder weniger stark in unseren Alltag ein. Wir halten uns an die 10 Gebote, haben keinen Sex vor der Ehe – man kennt das ja. 🙂
Und entsprechende Wertvorstellungen herrschen in unserer Gesellschaft. Eine Religion prägt also mit Regeln und Glaubenssätzen das Handeln, Fühlen, Denken und die Moral der Menschen.

Doch gehören Glaube und Religion untrennbar zusammen?

6 thoughts on “Glaube und Religion – Teil 1”

  1. Ich denke bei dem Text an eine Anekdote, die ich mal gehört habe: in den USA soll der juristische Begriff einer “Religion” sich nur insofern von einer “Sekte” unterscheiden, dass die Religion eine gewisse Mindestzahl an Mitgliedern übersteigt.

    PS: Ich hoffe du führst hier noch irgendwann die philosophischen Gottesbeweise aus! 😉

    1. Was anderes ist eine Sekte in der Religionswissenschaft auch nicht. Da wird sie als religiöse Sondergemeinschaft bezeichnet, die sich durch abweichende Lehren auszeichnet (und i.d.R. deutlich weniger Anhänger hat). 😉
      @phil. Gottesbeweise: meinst du in diesem Kontext oder später mal grundsätzlich als Thema?^^

  2. Beides würde gehen, doch ich vermute mal, dass vernünftige Formulierungen einzelner Gottesbeweise schon recht lang werden dürften – lieber einzeln als Beitrag verfassen. 😉

  3. Bei Wikipedia steht bei Religion zuerst: Als Religion (lat: religio, wörtlich: ‚die Rückbindung‘. Auch zurückgeführt auf relegere, ‚immer wieder lesen‘, oder religare, ‚zurückbinden‘; frei übersetzt: „wieder verbinden [mit Gott]“)

    – das hebräische Wort אמון (Glaube) steht für eine ganze Reihe von Bedeutungen
    Nomen: Abhängigkeit, Geheimnis, Glaube, Glauben, Glaubensrichtung, Glaubwürdigkeit, Heimlichkeit, Kredit, Kreditgeschäft, Naturtreue, Pfand, Redlichkeit, Religion, Sicherheit, Stütze, Treue, Treuhand, Trust, Übung, Verlass, Vertrauen, Vertrauensbasis, Vertrauensfrage, Vertrauensstellung, Zutrauen, Zuversicht, Zuversichtlichkeit
    Verb(en), Adjektiv(e): adoptiert, ausgebildet, ergeben, genau, gewohnt, originalgetreu, treu, treuhänderisch, vertrauensselig, vertrauensvoll, vertrauenswürdig

    Was den Glauben angeht, betrifft dieser nicht nur die Religionen, sondern alle Bereiche unseres Lebens. Wir glauben den Lehrern, den Wissenschaftlern, den Ärzten, den Politikern, der Presse, den so genannten “Fachleuten” usw. – Wer kann schon alles mit den eigenen Möglichkeiten und Sinnen selbst überprüfen? Die Logik baut immer auf einer bestimmten Konditionierung bzw. einem Denksystem auf. Verstehen wir wirklich alle Zusammenhänge? Ein Beweis für Gott wird ebenso wie dessen Nichtexistenz eine Glaubensfrage bleiben.
    Auch wenn es wirklich so ist, wie die Quantenphysiker herausgefunden haben, dass es eigentlich keine Materie gibt, die Materie eigentlich aus Nichts besteht und dass letztlich alles Energie ist, so bleibt das auch ein “Glaubensphänomen”. Wir können das mit unseren fünf Sinnen nicht wirklich wahrnehmen – noch dazu liegen diese Dimensionen weit außerhalb unseres Vorstellungsvermögens.
    Die Naturissenschaftler zerlegen die Dinge die sie untersuchen. Damit zerstören sie was sie untersuchen und kommen dabei der ganzen Wirklichkeit nicht auf die Spur. Die komplette Information die dort drin steckt wird sich auf diese Weise nicht offenbaren. Das ist vergleichbar mit einem Gedicht von Goethe, das von jemandem untersucht wird, der die Sprache und die Zeichen nicht kennt. Wenn er das Gedicht analysiert, die Anzahl der einzelnen Zeichen und deren Häufigkeit zählt, oder die Farbe und das Papier untersucht, wird er das was das Gedicht ausmacht (die Botschaft) niemals verstehen.

    Glaube und Vertrauen gehören eng zusammen. Ohne Vertrauen ist zum Beispiel keine Liebe möglich. Ich gehe davon aus: Glaube gehört zu unserem Leben, wie die Luft zum atmen… 🙂 Bei exakter Betrachtung, besteht sogar unser vermeintliches “Wissen” zum größten Teil aus Glauben. 🙂

    1. Hallo Alexander,
      ich sehe das ganz ähnlich wie du: wir glauben alle – nicht (nur) in Bezug auf Religion, sondern grundsätzlich in unserem Leben.
      Genau darauf will ich im zweiten Teil hinaus, der morgen früh hier veröffentlicht wird. 😉

    2. @Alexander: Grundsätzlich würde ich dir in fast allen Bereichen zustimmen. Auch übersehe ich gerne den Punkt, dass die Theorien der Physiker über Materie als Energie nach deiner Position keine Antworten gibt, obwohl gerade dieser Aspekt die Kluft zwischen “mentalen Zuständen” und “physisch-materieler Welt” erklären könnte. Doch deinen Punkt mit “Liebe braucht Vertrauen” mag ich nicht so zu bejahen. Viele Menschen lieben jemand/etwas ohne, dass der Gegenpart etwas zurückgibt, somit auch nicht zwangsläufig Vertrauen zurückgibt. Solltest du jedoch “Liebe braucht Vertauen” als eine rhetorische Unterstreichung deiner Position gemeint haben, so habe ich nichts gesagt. 😉

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