Gleichgeschlechtlicher Sex

Keine Frage der sexuellen Orientierung
Am Sonntag saß Felix verwirrt zu Hause in seinem Zimmer. Er verbrachte den Vortag mit seinem besten Freund Tobias. Sie waren gemeinsam in der Stadt und kauften sich neue Klamotten. Danach gingen sie Billard spielen und verbrachten einen lustigen Abend miteinander. Sie gingen zu Tobias, kochten gemeinsam und machten einen DVD-Abend. Nun war Felix froh, zu Hause zu sein, denn viel Schlaf hatte er nicht bekommen. Sie guckten bis tief in die Nacht DVDs und später kam eins zum anderen. Was mit „Kumpel-Wichsen“ begann, endete mit Sex. Das Merkwürdige daran: Tobias ist hetero!
Die Geschichte von Felix und Tobias ist kein Einzelfall. Viele schwule Jugendliche machen ähnliche Erfahrungen und sind verunsichert. Ihnen gehen viele Fragen durch den Kopf. Wieso hat mein Hetero-Kumpel Sex mit mir? Wieso hat er Spaß daran, obwohl er sich nur zu Frauen hingezogen fühlt? Ist er vielleicht doch nicht so hetero, wie er behauptet?
In der Pubertät kommt dieses Phänomen besonders häufig vor. Mit Beginn der Geschlechtsreife sammeln viele Jungs sexuelle Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht, um den eigenen Körper und die eigene Sexualität zu entdecken. Nach der Pubertät beenden allerdings die meisten Jugendlichen dieses Experimentieren wieder.

Wenn man davon ausgeht, dass sich die Sexualität des Menschen nicht im Laufe der Zeit entwickelt, sondern von Anfang an angelegt ist, kann man sich fragen, warum der Spaß am Sex mit dem gleichen Geschlecht für die meisten Jungs verschwindet. Ist dies überhaupt so?
Bei den bloßen sexuellen Handlungen spielt es vermutlich keine große Rolle, ob ein Mann von einem Mann oder einer Frau sexuell befriedigt wird. Anal- und Oralverkehr dürften sich gleich anfühlen, egal von wem man oral befriedigt wird oder wen man anal penetriert. Die Ursache für den Sinneswandel in Bezug auf das Spaß haben am gleichgeschlechtlichen Sex muss also eine andere sein.
Lernt der Hetero-Freund Frauen kennen und führt mit ihnen eine Beziehung, so ist sein Bedarf an Sex gesättigt. Warum sollte man zusätzlich seine Lust mit dem gleichen Geschlecht befriedigen, wenn man auch das andere Geschlecht haben kann, für das man nicht nur Lust sondern auch Gefühle empfindet? Doch was ist mit heterosexuellen Männern, die solo sind und nicht die Möglichkeit haben, mit einer Frau zu schlafen? Sie haben trotzdem keinen Sex mit Männern. Der Grund, gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr abzulehnen scheint eine psychosoziale Ursache zu haben.
Selbst bei toleranten Männern besteht immer noch ein Unterschied zwischen der Akzeptanz von Homosexualität bei Anderen und dem eigenen Erleben von Sexualpraktiken, die „schwul“ sind. Tief in den Köpfen steckt wohl immer noch der Gedanke, dass solche Handlungen etwas Falsches sind, das man nicht tun sollte. Aber auch das Denken in Kategorien spielt eine große Rolle. Nimmt man sich selbst als heterosexuell wahr, versucht man automatisch dieser Rolle gerecht zu werden.

Dazu gehört, dass gleichgeschlechtlicher Sex nicht in Frage kommt und falsch ist. Gar die Möglichkeit, dass dies lustvoll sein könnte, auch wenn es nicht mit Gefühlen der Liebe verbunden ist, wird nicht in Betracht gezogen. Ähnlich verhält es sich beispielsweise mit analer Stimulation. Da diese und insbesondere der Analverkehr mit Schwulen in Verbindung gebracht wird, sind viele nicht bereit, diese Form der Stimulation bei sich auszuprobieren.
Im Jahre 1948 ergab der „Kinsey-Report“, dass ca. 90% der Männer bisexuelles Verhalten zeigen. Je nachdem, wie oft man homoerotische Fantasien oder gleichgeschlechtlichen Sex hat, ist man dem „Kinsey-Report“ zu folge mehr oder weniger bisexuell. Rein hetero- oder homosexuelle Menschen gibt es demzufolge kaum. Die Gelüste nach gleichgeschlechtlichem Sex scheinen also bei mehr Männern vorhanden zu sein, als zugeben wollen. Bei Einigen sind diese Gelüste wohl lediglich nicht stark genug ausgeprägt.

Diesen Artikel von mir findest du auch: hier bei dbna.

3 Kommentare

  1. Irgendwie habe ich das Gefühl diesen Artikel bei dir schon früher gelesen zu haben… hmm…

    Egal, Kritik daran:

    Die Namen am Anfang recht klishee, aber was soll’s – konnte ein Schmunzeln bei mir auslösen. 😉

    Worauf fundierst du dein wissen, dass die Experimente primär in der Pubertät stattfinden und auch noch danach aufhören?

    Homosexueller Sex kann zudem ungewollt sein, weil man weniger Stimulation durch das eigene Geschlecht erfährt – visuelle Stimuli werden weniger, gar nicht oder abtörnend wahrgenommen. Dies darf man nicht ausser Acht lassen.

    Weiterhin habe ich ein Contra zum Kinsey-Report: ich bezweifle, dass dort zwischen “Fantasien” und “Assoziationsketten” differenziert wurde. Mit anderen Worten sind viele Gedanken nur eine Weiterverarbeitung unseres Bewusstseins. Diesem ist es egal was er aufgetischt bekommt. Falls du Beispielsweise Suppe keine Beachtung schenkst oder hasst, solchen Reizen aber ausgesetzt wirst wie von 100 Magiewerbungen, so wirst du automatisch daran denken. Wenn du dich also über homosexuellen Sex vorher informiert hast, dann kommt dieser natürlich auch eher in den Sinn – in diversen Formen, dabei natürlich auch in Träumen, in denen man dann am solchen Sex teilnimmt. Besonders aufschlussreich ist es aber damit nicht zwangsläufig.

    • Wieso sind denn die Namen “Felix” und “Tobias” Klischee?^^ Das will ich jetzt aber wissen. 🙂

      Was die Experimente angeht: Zum Einen ist das der aktuelle Forschungsstand von Sexualforschern. Zum Anderen zeigt das meine Erfahrung. Dabei beziehe ich mich sowohl auf mich selbst, als auch auf die Erfahrungen von Freunden und Bekannten.

      Was die Stimulation angeht: jetzt Montag folgt ein Nachtrag zu diesem Artikel, der auch darauf eingeht. Ich bin an vielen Stellen falsch verstanden worden und werde einen ganzen Artikel darauf verwenden, ein paar Dinge klar zu stellen.

      @Kinsey-Report: Argh..darauf werde ich nicht explizit eingehen.^^ Es sei aber so viel gesagt: Es geht nicht nur darum, an gleichgeschlechtlichen Sex zu denken, sondern darum, davon stimuliert zu werden. Ich mache es mir hier mal einfach und leite dich weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinsey-Skala

  2. Keine Ahnung, hört sich für mich irgendwie nach einem Auszug aus “Löwenzahn” an… xD

    Naja, habe mir den Kinsey-Report mal durchgelesen und werde mal an seine Objektivität glauben – der Herr Kinsey klingt tatsächlich vielversprechend und als hätte er die Befragungen sauber durchgeführt. 😉
    Deine weiteren Ausführungen im Nachtrag schließen tatsächlich alle restliche Fragen bezüglich der Stimuli. 😉

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