Nachtrag zu „Gleichgeschlechtlicher Sex“

Natürlich eine Frage der sexuellen Orientierung
Zu meinem Artikel von letzter Woche möchte ich noch ein paar Punkte nachtragen, da ich offenbar von vielen Menschen falsch verstanden wurde. Da sich die Diskussionen auf Facebook abspielten und leider nicht hier in den Kommentaren, werde ich der Reihe nach vorgehen.
In meinem Text stellte ich die Fragen, warum der Spaß am Sex mit dem gleichen Geschlecht bei den meisten Jungs im Laufe der Zeit verschwindet und ob dies überhaupt so ist.
An diesem Punkt hat man mir unterstellt, ich würde Heterosexualität in Abrede stellen. Ja gar von einer Verherrlichung von gleichgeschlechtlichem Sex im Rest meines Textes, wodurch Hetero-Sex einen faden Beigeschmack bekommen würde, war die Rede. In der Auseinandersetzung mit meinem Artikel viel sogar der Ausdruck Misogynie, wenngleich er nicht auf mich und meinen Text bezogen war.
Hier reicht es natürlich nicht, mich darauf zu berufen, dass wer mich kenne, ja wisse, dass ich so tolerant bin, wie ich es von anderen fordere. Das stimmt zwar, reicht aber als Erklärung nicht aus.
Als Prämisse gilt: Die sexuelle Orientierung bildet sich nicht im Laufe der Zeit, sondern ist von Beginn an angelegt.
Das bedeutet, dass wenn ich von Jugendlichen spreche, die sich im Laufe der Zeit von gleichgeschlechtlichem Sex abwenden, ich automatisch nur von jenen spreche, die zumindest ansatzweise bisexuell veranlagt sind – ob nun bewusst oder unbewusst. Ich bezeichne sie zunächst noch als hetero, weil sie sich selbst so sehen. Später werde ich mit meiner Position aber noch deutlicher und spreche von der Wahrnehmung als heterosexuell.
Die Jugendlichen, die rein hetero sind, haben gar nicht das Bedürfnis, mit anderen Jungs Sex zu haben. Der Vorwurf, ich würde von heterosexuellen Männern sprechen, die sich vom Homo-Sex abwenden, ist daher unplausibel. Es geht um die anderen Jugendlichen und Männer. Und mögliche Gründe, warum sich diese teilweise von gleichgeschlechtlichem Sex abwenden, wurden im Verlauf des Textes vorgestellt.

©derfreidenker.wordpress.com

So führe ich eine Trennung zwischen Liebe und Lust an, die erklärt, warum Männer mit stärkerer Zuneigung zu Frauen den gleichgeschlechtlichen Sex komplett ablehnen. Nebenbei gesagt: Hier nehme ich keinerlei Wertung vor. Ich sage, dass dies ein Grund sein könnte, Punkt.
Als weiteren möglichen Grund führe ich eine psychosoziale Ursache an, nämlich Einstellungen, die sich unter den Begriff „Heteronormativität“ packen lassen. In Folge heteronormativer Wahrnehmung werden bisexuelle Tendenzen verdrängt oder unterdrückt und man(n) sperrt sich gegen die Möglichkeit, dass Intimität mit Frauen nicht das Einzige ist, was ihm Befriedigung verschafft.
Anders gesagt: Ich möchte darauf hinweisen, dass es Männer gibt, die aus psychosozialen Gründen gleichgeschlechtlichen Sex ablehnen, aber durchaus die Disposition haben, ihn lustvoll zu finden, wenn sie ihre Neigung ungefiltert ausleben. Diesen Männern möchte ich einen Denkanstoß geben, damit sie vielleicht bald diesen Bestandteil ihres sexuellen Verlangens ausleben können.
Abschließend unterstreiche ich die Existenz der geschilderten Situation, indem ich den Kinsey-Report anführe, den ich für nicht aus der Luft gegriffen halte.
Und so komme ich endlich zu dem (übrigens wieder wertfreien) Schluss, dass die Gelüste nach gleichgeschlechtlichem Sex also bei mehr Männern vorhanden zu sein scheinen, als zugeben wollen.
Den Aufreißer „Gleichgeschlechtlicher Sex – Keine Frage der sexuellen Orientierung“ habe ich im Verlauf meiner Argumentation relativiert.
Dies explizit dazuzuschreiben oder gar einen anderen Titel zu wählen, hielt und halte ich nach wie vor für unnötig. Ich könnte mir das Schreiben von Texten dieser Art sparen, würde ich die Erkenntnis bereits in der Überschrift offenbaren. Die Headline stellt eine These in den Raum – in diesem Fall ist sie eine Wunschvorstellung vieler schwuler Jugendlicher – die einem zunächst in den Sinn kommen mag. Sie sorgt zudem für Neugier, was die Bereitschaft des Lesers erhöht, sich auf die Thematik einzulassen. Im Falle dieses Artikels war die Aussage nicht haltbar. Dies geht aus meinem Artikel eindeutig hervor.
Ich hoffe, dass ich die Missverständnisse hinreichend klären konnte.

7 thoughts on “Nachtrag zu „Gleichgeschlechtlicher Sex“”

  1. Misogynie musste ich erst mal nachschlagen… 🙂 Magst du sagen wie ausgerechnet auf sowas dummes kamen?

    Dieser Text ist nicht weiter aussergewöhnlich, da er vielmehr als Antwortkommentar zu gelten hat. Leider hast du es nicht geschafft den Text ganz objektiv und neutral zu schreiben, wobei ich mir durchaus ausmalen kann was für Kommentarre du gehört haben musst, wenn du dich sogar dazu aufgefordert fühlst einen Nachtrag zu verfassen, was ich bei dir noch nicht erlebt habe. Dem entsprechend dann wieder ein guter Text – du kennst mich und bist wohl ken bischen überrascht, wenn ich sage, dass ich wohl schroffer geantwortet hätte. 😉

    Also, bleib cool, lass die Leute reden und denk dir deinen Teil – deren Aussagen werden wir dann hinterher in allen Details durchanalysieren. ;D

    1. Zur Misogynie: Ein Kommentar auf meinen Artikel war die Frage, warum viele homosexuelle Männer nicht mal ein bisschen flexibler sind in Bezug auf das Tolerieren von Hetero-Sex. Das würde teilweise schon in Misogynie ausarten.
      Das ist zwar nicht auf mich bezogen gewesen, aber war immerhin eine Reaktion auf meinen Artikel, die zeigt, dass ich total missverstanden worden bin. Wie zumindest dir jetzt scheinbar klar geworden ist, geht es um was anderes.

      Zu diesem Artikel: Ich würde gerne wissen, welche Stellen du nicht objektiv findest. Ich versuche momentan meinen eigenen Schreibstil zu analysieren und vergleiche dabei meine Intention mit dem, was effektiv bei den Lesern ankommt. Ich komme nicht umhin, meine Ausdrucks- und Herangehensweise bei meinen Artikeln zu hinterfragen, angesichts der Tatsache, dass “Gleichgeschlechtlicher Sex” (Achtung Doppeldeutigkeit:) ein Schuss in den Ofen war.^^

      Zu den Reaktionen: Die Reaktionen waren nicht unbedingt unter der Gürtellinie oder so. Es wäre mir teilweise lieb gewesen, wenn sie ironiefrei gewesen wäre (mag ich bei ernst gemeinten Diskussionen nicht, wie du dich vielleicht noch erinnerst^^), aber ansonsten war es okay.
      Mich hat nur einfach geschockt, dass man mich durch die Reihe weg falsch verstanden hat. Man muss mit mir ja nicht einer Meinung sein – ich habe die Wahrheit schließlich nicht gepachtet. Aber ich möchte zumindest, dass die Leute damit richtig liegen, wenn sie sagen: “Ah, Dance man stellt die und die These in den Raum und argumentiert dann so und so”.
      Danach können sie gerne sagen: “Halte ich für Mist, weil x”.

  2. Homosexuelle sollen etwas flexibler in der Toleranz sein… ist es für gewöhnlich nicht umgekehrt, dass Heteros eher diskriminieren?

    Würde ich dann lieber in Person machen.

    Das Problem hab ich auch schon seit längerem, aber du darfst an Normalos nicht die gleichen Anforderungen stellen wie an deine Komillitonen und die Dozenten – wir leben in einer anderen Welt und dort geht man mit Kritik nunmal viel flexibler um. Damit ersparrst du dir und anderen viel Leid, da eine jede Änderung auf freiwilliger Basis aufgebaut ist, sofern sie Sinn und Beständigkeit haben soll. Wenn du sie tatsächlich beeinflussen möchtest und damit eine Verbesserung erzielen möchtest, dann musst du dich geschickter anstellen. Die Kunst der Rhetorik zeigt sich seit Sokrates als enorm wichtig. 😉

  3. Hey, ich bin derjenige mit dem “Misogynie”-Kommentar. Dance Man, ich glaube nicht, dass ich dich missverstanden habe, wie du schon schreibst, war der Kommentar gar nicht direkt auf deinen Text bezogen. Ich wollte mir nur mal Luft darüber machen, dass ich unter homosexuellen Männern wesentlich häufiger abfällige Kommentare über gegengeschlichten Sex höre als bei Heteromenschen über gleichgeschlechtlichen Sex. Das kann mit den Kreisen, in denen ich verkehre zusammenhängen (meistens Studierende, dh kein ungefiltertes Arschf*ck-Sprech). Und ich finde, dass es nicht angehen kann, dass IRGENDjemand sich so abfällig über Frauen bzw. weibliche Geschlechtsteile auslässt, egal jetzt ob homo oder hetero. Da wünsche ich mir eben manchmal bei manchen Schwulen ein wenig mehr Sensibilität.
    Und vonwegen: “Homosexuelle sollen etwas flexibler in der Toleranz sein… ist es für gewöhnlich nicht umgekehrt, dass Heteros eher diskriminieren?” – mag sein, aber so pauschalist das eben nicht. Ich selbst habe eine Vergangenheit als lesbische Frau, auch wenn ich jetzt als Mann lebe. Die “Forderung” kommt also durchaus von einer sich als “queer” identifizierenden Person.

    Also, Dance Man: Wenn du dich missverstanden fühlst, dann sags doch einfach 😉 ! Ich hab deine Message durchaus kapiert, wollte nur noch einen anderen Aspekt mit einbringen. Ist ja sogar so eingeleitet: “mich würde viel mehr interessieren…” [lies: als etwas, das nicht hier diskutiert wird, aber durchaus interessant wäre m.E.]. Wenn ich mich recht erinnere, hast du meinen Kommentar sogar “geliked”.

    Liebe Grüße!

    1. Huhu 🙂
      Es liegt nicht nur an deinen Kreisen. Leider habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich Homos abfällig über Frauen im Allgemeinen und gegengeschlechtlichen Sex im Speziellen geäußert haben. Wenn dein Kommentar also nur ergänzend gemeint war, dann stimme ich dir zu. 😉 Es wäre mal interessant herauszufinden, warum sich manche Schwule so abfällig äußern und es auch oft so meinen – ein Thema für sich. Vielleicht bietet es sich an, das Thema bei “queerblick” mal aufzugreifen.
      Ich danke dir in jedem Fall für deinen Kommentar! 🙂

  4. @V-man: Keine Kommentarre über Homosexuelle? Deinem Umfeld alle Ehre, aber wo genau lebst du, dass dort alle Heteros toleranter sind? Mir ist es noch nicht untergekommen, denn sogar unter toleranten Menschen aus meinen Bekanntenkreis(und ich neige dazu viele zu kennen – frag Dance) gibt es so manche wenigstens neckisch-zynische Bemerkungen. Und meinen Untersuchungen nach sind Studenten oftmals intoleranter als so manch Manfred von der Baustelle.
    Mag sein, dass ich etwas nicht bemerkt habe, aber ich sehe kein Problem vom Äußern irgendwelcher Witze und sei es zum Thema weibliche Genitalien. Die wenigen Male, dass solche Witze aufkamen, hatten alle in meinem Umkreis was zu lachen: die Herren, wie die Damen. Zwar gab es auch ein paar Witze in Richtung der Herren, aber dies war dann solch ein großes Feld für Witze, dass die Gruppe darüber größtenteils Witze machte und alle abermals Spass hatten. Ich mag mich irren, aber es liegt wohl an deinem Umfeld, wenn solche Witze öfter fallen – wenn die Leute merken, dass jemand sich unnötig über ein Thema aufregt, so setzen sie nach, unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Rasse etc..
    Ob eine “queer”-Person dann viel sachlicher und objektiver über dieses Thema reden kann, wage ich auch zu bezweifeln. Ich vertrete noch die naive Annahme, dass alle Menschen die gleichen Rechte besitzen und ein ähnliches Potenzial aufweisen.

    @Dance: Homos mit abfälligen Bemerkungen?…. Du meinst damit nicht eher “Männer mit Kommentarren über Frauen” oder? Denn dies ist tatsächlich der Fall, obgleich Frauen auch jede Gelegenheit nutzen, ob auch ihrerseits über die Männer zu lästern – Tanzschulen sind der perfekte Ort für solche Beobachtungen. 🙂

    1. Nein, ich meine durchaus Homos und Vince meint keine Witze, sondern – wie er auch schrieb – “abfällige Kommentare”.
      Manche Schwule neigen dazu, gegengeschlechtlichen Sex als ekelig und abstoßend zu bezeichnen – so wie manche Heteros gleichgeschlechtlichen Sex abstoßend finden – und meinen das auch so.
      Es findet also in der Tat eine Geringschätzung oder Abwertung seitens der Homos statt, obwohl man ihnen ja auf Grund ihrer Rolle als diskriminierte Minderheit eine tolerantere Einstellung und mehr Einfühlungsvermögen zuschreiben würde.

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