Blickpunkt: Todesstrafe

Wir spielen Gott
Auch wenn uns in Deutschland das Thema „Todesstrafe“ nicht wirklich betrifft, so lohnt es sich, darüber nachzudenken. Immerhin gibt es auch hierzulande Menschen, die die Einführung der Todesstrafe in Deutschland begrüßen würden.
In den USA werden zum Tode verurteilte Menschen mit einer Giftspritze umgebracht. Der Tod tritt angeblich ziemlich schnell ein und eine vorhergehende Betäubung verhindert Schmerzen, bevor die tödliche Injektion Wirkung zeigt.
Aber kann man die Todesstrafe moralisch vertreten?
Erhebliche Bedenken kommen mir bereits, bevor der eigentliche Tötungsakt vollzogen wird. Jedem ist bekannt, dass einige Menschen, die zum Tode verurteilt wurden, Jahre oder Jahrzehnte in der Todeszelle auf die Vollstreckung des Urteils warten mussten. Im November letzen Jahres starb in Texas der Amerikaner Ronald Chambers eines natürlichen Todes nachdem er 35 Jahre auf die Vollstreckung seines Todesurteils warten musste.
Sicherlich haben Menschen, die in den USA zum Tode verurteilt werden, schlimme Verbrechen begangen. Aber ist es einem Menschen generell zumutbar, ihn jahrelang in der Angst leben zu lassen, den nächsten Tag nicht mehr zu erleben?

Die Vollstreckung der Todesstrafe – hier erläutere ich die Todesstrafe durch tödliche Injektion – erachte ich als extrem kritisch, da sie bis zu fünf Minuten dauert und nicht immer ohne Komplikationen abläuft. Zunächst bekommt der Verurteilte Betäubungsmittel injiziert, deren Dosis allein schon tödlich wäre. Problematisch ist die Tatsache, dass die betäubende Wirkung nur kurz anhält. Bis geeignete Venen zugänglich gemacht werden, um das Gift zu injizieren, kann die betäubende Wirkung bereits nachgelassen haben. Jedoch lässt sich dies nicht erkennen. Der Verurteilte scheint bewusstlos zu sein, ist jedoch bei vollem Bewusstsein und bekommt die Injektion des Giftes in den Blutkreislauf, was sehr schmerzhaft ist, vollständig mit.
Das Gift lähmt alle Muskeln mit Ausnahme des Herzens, sodass der Mensch erstickt.
Weitere Arten der Vollstreckung des Todesurteils sind der elektrische Stuhl, Vergasen, Erhängen und Erschießen.

Verbrecher hin oder her: die Todesstrafe in ihrer ganzen Grausamkeit ist menschenverachtend. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit und dies gilt auch für Menschen, die ein Verbrechen begangen haben. Ich halte es für wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, die Emotionen der Wut und der Rache unter Kontrolle zu bringen, um fähig zu sein, ein rationales und somit gerechtes Urteil fällen zu können.
Der Tod des Verbrechers macht die schlimmen Taten, die er verübte, nicht ungeschehen; Ermordete werden nicht wieder lebendig, psychisch und physisch Misshandelte werden nicht wieder gesund, weil der Täter umgebracht wird.
Wer die Todesstrafe vollstreckt, wird selbst zum Mörder. Hat er das Recht weiterzuleben? Rechtfertigt Vergeltung die möglicherweise gleiche Handlung, die der Verurteilte vollzog?
Mit dem Verurteilen zur Todesstrafe und dem Vollstrecken Selbiger spielen wir Gott. Wir entscheiden, ob ein Mensch leben darf oder nicht.
Das menschliche Leben ist so komplex, das es bisher niemand vollständig zu begreifen vermag. Wir sollten uns nicht anmaßen, über die Existenz etwas so wertvollen und komplexen zu richten.

4 Kommentare

  1. Keine Frage: Auch ich bin kein Befürworter der Todesstrafe. Denn ein Gesetz muss nun einmal für alle gleichermaßen gelten: Niemand darf Menschen töten; das zum Thema Gerechtigkeit. Auf der anderen Seite bin ich auch für eine gerechte Bestrafung eines Serienmörders, bei dem es keinerlei Aussicht auf Reue gibt. In dem Fall muss man nicht nur die Gerechtigkeit in Betracht ziehen, sondern auch die Gefahr neuer Taten dieses Serientäters. Es gilt also, sich in bestimmten Grenzen zu bewegen, um ein größtmögliches Maß an Gerechtigkeit sowie die Sicherheit der Bürger zu wahren. Bleibt mir noch ein wichtiger Punkt; nämlich jener, der die Leistungen, die von der Gesellschaft für unseren Serienmörder (wir bleiben bei dem Beispiel) erbracht werden müssen, nämlich finanzieller Natur, betrifft. In vielen Köpfen schleicht auch noch die falsche Information, dass die Todesstrafe günstiger als eine Gefängnisstrafe ist, herum (am Beispiel der USA*). Daher fällt für mich die Todesstrafe nicht nur aus moralischen (über Moral lässt sich, wie wir wissen, streiten) und/oder gesetzlichen Gründen weg, sondern auch aufgrund der finanziellen Leistung, die von den Opfern der Gesellschaft getragen werden muss. Auch eine Gefängnisstrafe ist leider nicht günstig. Daher mein Motto: “Steckt das Geld lieber in unsere Schulen als in unsere Serienmörder.” Wie kann ich einen Serienmörder unter diesen Gesichtspunkten ‘richtig’ bestrafen? Als Laie maße ich mir nun darüber kein Urteil, dafür brauchen wir ausgebildete Menschen.

    *(Quelle Wikipedia, Stichwort: Todesstrafe)
    “In Staaten wie den USA, deren Verfassung ein rechtsstaatliches Verfahren auch bei Kapitalvergehen garantiert, sind die realen Kosten eines Todesstrafenprozesses im Durchschnitt um einiges höher als die einer lebenslangen Haft.[21][22]Hauptgrund sind die Dauer des Verfahrens und die Prozesskosten bei erfolgreicher Verteidigung von Kapitalverbrechern. So werden bei Strafanträgen auf eine Todesstrafe die polizeilichen Ermittlungsergebnisse besonders sorgfältig geprüft. Oft sind zudem mehrere Revisionsinstanzen und Wiederaufnahmemöglichkeiten vorgesehen, um Fehlurteile zu vermeiden.”

  2. Ich masse mir nicht an etwas zu dem Thema zu sagen, was ich nicht weiter belegen kann und vertrau damit erst mal dem Artikel und Deep, doch ihr scheint ausser der Gefängnisstrafe keine Alternativen vorbringen zu können. Genauso finde ich die Details des Todes bezüglich der Giftspritze als wohl zu konkret, als dass man sie einfach so irgendwo hernehmen kann. Immerhin wird der Punkt nicht weiter begründet und es wird auch nicht genannt woher du dein Wissen bezüglich der Aussetzung der Betäubung nimmst – hast du es schon mal getestet und bist wieder zurück gekommen? 🙂

    Auch sollte man an die Opfer der Verbrechen und deren Verbliebene denken – sie verdienen Widergutmachung. Während die Opfer oft auf die brutalsten Weisen abgeschlachtet wurden, soll der Täter dann wirklich den Hauch des Lebens weiter behalten dürfen? Sicher bringt die Todesstrafe die Opfer nicht mehr ins Leben zurück, doch jemand, der solche Straftaten begeht(in USA), sollte sich darüber im klaren sein was mit ihm geschehen könnte.

    Ich bin ehrlich: sollte ein Mörder so etwas einem mir geliebtem Menschen antuen, so wäre eine Giftspritze ein noch zu sanfter Abgang als der, den ich ihm sonst bereiten würde. Und sollte ich dadurch zum Mörder werden, so wäre auch die Todesstrafe für mein Vergehen recht.

    Gleichzeitig möchte ich hier aber festhalten, dass sich die Argumente nur auf härtere Fälle wie die Seriemörder beziehen. Andere Todesurteile wie Steinigungen in Pakistan auch heute noch Gang und Gebe sind, sind ganz andere Fälle.

  3. Meine Quelle ist zum Einen Wikipeida und zum anderen der Verstand.
    Das langsames Ersticken qualvoll ist, kann man sich wohl sehr gut vorstellen. Da braucht es keinen Beleg.
    Wie eine starke Überdosis Kalium (wird als Betäubungsmittel eingesetzt) auf den Körper wirkt, kann ich dir gerne erklären: Es treten Herzrhytmusstörungen und Muskelzuckungen auf. In einigen Fällen auch Parästhesien, die die von mir erwähnten Schmerzen verursachen.
    Da du meinen Recherchen scheinbar kein Vertrauen schenkst, kannst du in jeder Apotheke nachfragen oder in entsprechender Fachliteratur nachlesen, dass diese Methode grausam ist.

    • Ich antworte mal mit einem Zitat des Kommentars eines Users, dass ich vor kurzem als Antwort zu einer Doku gelesen habe und dem ich voll zustimmen kann:

      “Es stimmt, dass (in den meisten Fällen) nicht die Höhe des Strafmaßes Verbrecher von Taten abschreckt, sondern deren Aufklärungsrate. Dennoch ist es unsinnig zu behaupten “Gefängnisse als Maßnahme gegen Verbrechen seien überholt”. Eine Freiheitsstrafe soll nicht nur resozialisierend auf den Täter wirken, sie soll auch eine Genugtuung für das Leid des Opfers darstellen( so sieht es auch das Strafgesetzbuch vor: §46StGB). Außerdem gibt es Menschen die sich nicht wiedereingliedern lassen und womöglich ihr ganzes Leben lang eine Gefahr für ihr Umfeld darstellen. Bei solchen Menschen stellt die Gefängnisstrafe nämlich auch das Wohlergehen der Bevölkerung sicher, denn wer weggeschloßen ist kann auch kein Unheil mehr anrichten. Das Gefängnis wirkt somit Primärpräventiv als auch Tertiärpräventiv und ist als Sanktion für Straftaten unerlässlich.”

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