Das Papstwahldekret von 1059

Die Wahl des Papstes ist einer der wichtigsten Akte der römisch-katholischen Kirche. Denn durch sie wird bestimmt, wer das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wird. Der Papst hat als Nachfolger des heiligen Petrus die oberste Aufsicht über seine Kirche und besitzt die höchste und universale Gewalt. Dazu zählt auch die Rechtsgewalt; d.h., dass nur er Kirchenrecht setzen und aufheben kann.[1]
Doch trotz ihrer Relevanz war die Papstwahl lange Zeit nicht geregelt, was zu Konflikten wie Simonie und Laieninvestitur führte. Wurde daher ein Papst nicht anerkannt, konnte man sich auf keine klaren Regeln berufen, die den Anspruch des gewählten Papstes auf den Stuhl Petri legitimierten bzw. in Abrede stellten. Diese Problematik führte sogar mehrfach zu Gegenpäpsten – also zwei gewählte Päpste, die zeitgleich den Anspruch auf den einen Stuhl Petri erheben. Erst im Jahr 1059 führte Papst Nikolaus II. mit dem Papstwahldekret Bestimmungen darüber ein, wie ein Papst korrekt zu wählen ist.
In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, inwieweit das Papstwahldekret ein Umbruch bei der Wahl des Papstes darstellte. Um diese Frage zu beantworten, folgt zunächst ein Überblick über die Papstwahlen und damit verbundenen Probleme vor dem Papstwahldekret. Als Grundlage dafür dient die Theologische Realenzyklopädie, die unter dem Begriff „Papstwahl“ einen kurzen, aber präzise zusammengefassten Überblick liefert. Anschließend wird anhand des Papstwahldekretes dargestellt, mit welchen Regelungen die Probleme gelöst werden sollten. Es darf angenommen werden, dass sich das Papstwahldekret in erster Linie an die kirchlichen Würdenträger während und nach der Amtszeit Nikolaus II. richtet und daher als Traditionsquelle einzustufen ist. „Der Investiturstreit. Quellen und Materialien“ von Johannes Laudage und Matthias Schrör liefert eine deutsche Übersetzung des Papstwahldekretes von 1059, die dazu herangezogen wurde.

Papstwahldekret

Schließlich wird dargelegt, welchen Einfluss das Papstwahldekret in der Folgezeit hatte und ob damit wirklich die Probleme gelöst werden konnten. Dafür wird zum einen ein offiziöses Protokoll von der Wahl Gregors VII. als Quelle herangezogen, die sich ebenfalls in deutscher Übersetzung in „Der Investiturstreit. Quellen und Materialien“ befindet. Diese Quelle ist insofern ein nützlicher Indikator zur Beantwortung der Frage, weil in ihr erwähnt wird, wer an der Wahl Gregors VII. beteiligt war. Ob die Würdenträger an der Wahl beteiligt waren, die laut dem Papstwahldekret dafür vorgesehen waren, oder nicht, gibt Aufschluss über die Wirkungskraft des Dekretes von 1059. Auch diese Quelle kann als Traditionsquelle angesehen werden, da sie als offiziöses Protokoll gezielt für Zeitgenossen und die Nachwelt verfasst wurde.
Zum anderen wird untersucht, in wieweit die Fälschung des Papstwahldekretes Aufschluss über die Bedeutung des Dekretes gibt. Über den genauen Zeitpunkt der Entstehung der Fälschung sowie die Person des Fälschers herrscht in der Forschung Uneinigkeit und Ungewissheit. Eine Gegenüberstellung der im Kontext dieser Arbeit relevanten Unterschiede zwischen dem Original und der Fälschung ist aber möglich. Als Grundlage dafür dient der Aufsatz „Das Papstwahldekret von 1059 und seine Verfälschung“ von Wolfgang Stürner in der Reihe „Fälschungen im Mittelalter“. Stürner wiederum nutzt als Grundlage seiner Argumentation die wertvolle Forschungsarbeit von Hans-Georg Krause und vor allem von Detlev Jasper, der den Wortlaut des echten Dekrets und der verfälschten Version nebeneinander darstellte.
Weiterhin wird mit Hilfe des Buches „Papsttum und Heilige. Kirchenrecht und Zeremoniell“ dargestellt, was sich seit dem Papstwahldekret in Bezug auf die Papstwahlen veränderte. Bernhard Schimmelfennig führt dort wichtige neue Regeln auf, die im Laufe des Mittelalters beschlossen wurden. Anhand dieser neuen Regelungen kann geklärt werden, ob das Papstwahldekret bedeutsam war und mit geringfügigen Ergänzungen angepasst wurde, oder ob es keine große Bedeutung hatte und bedeutsame neue Regeln erlassen werden mussten, um die Probleme bei Papstwahlen in den Griff zu bekommen.

Zum Essay: Das Papstwahldekret von 1059 als Umbruch des Papsttums?

[1] Schwaiger, Georg: Papsttum, in: Theologische Realenzyklopädie 25 (1995), vgl. S. 647 f.