Die Sache mit der Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit ist zurzeit ein sehr beliebtes Thema. Denn seit jeder über soziale Netzwerke oder den guten alten Blog ganz einfach seine Meinung in die Welt hinaus posten kann, wird das Internet von Meinungen aller Art geradezu überschwemmt. Egal wie unbedeutend, unbekannt oder unqualifiziert jemand ist: er nimmt am Diskurs teil und verbreitet seine Ansichten zu Politik und Gesellschaft. Ich selbst schließe mich da gar nicht aus. Immerhin blogge ich schon seit fast sieben Jahren mehr oder weniger regelmäßig.
Doch im Gegensatz zu vielen anderen Zeitgenossen habe ich über die Jahre hinweg nicht vergessen, dass es sich dabei nur um eine Meinung handelt, die 1.) keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat – jeder darf komplett anderer Meinung sein als ich – 2.) keinen Anspruch auf Wahrheit hat. Eine Meinung gibt immer nur eine subjektive Sichtweise wieder. Sie kann maximal auf Fakten oder plausiblen Argumenten beruhen, ist aber selbst niemals eine Wahrheit.
Und 3.) unterscheidet sich eine Meinung von dem stumpfen Aussprechen von Beleidigungen und Aufrufen zu Gewalt – egal mit welchem Stilmittel man das tut. Deswegen ist Jan Böhmermanns Gedicht über den türkischen Präsidenten auch keine Meinungsäußerung oder Satire und damit völlig zu Recht vom ZDF gelöscht worden. Rein rechtlich bewegt sich Böhmermann wohl auf der sicheren Seite, denn die Ankündigung der Schmähkritik mache selbige zur Satire. Die Heftigkeit der Beleidigungen werde als “überspitzt” und “pointiert” gewertet und sei damit als Satire zulässig.[1]

©M.E./pixelio.de
©M.E./pixelio.de

Meinungen haben übrigens etwas total Praktisches, das aber leider viel zu selten genutzt wird: man kann sie ändern. Wenn man also von anderen Menschen darauf hingewiesen wird oder sogar selbst merkt, dass man sich in seinen Annahmen irrt, die zu der Meinung führten, kann man seine Meinung ganz einfach, kostenlos und unverbindlich ändern. Das hat den Vorteil, dass man sich mit seinem Starrsinn nicht unbeliebt macht und sogar als lernfähig und geistig flexibel gilt. Seine Meinung manchmal zu ändern ist also eine sehr praktische und empfehlenswerte Sache.
Und einen letzten Hinweis noch: man darf in Deutschland zwar seine Meinung äußern, aber man muss es nicht. Deshalb sollten sich viel mehr Menschen nach diesem altbekannten Satz richten: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten. Und ich gehe jetzt mit gutem Beispiel voran. Bis nächste Woche!

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[1]
Rechtsanwalt Christian Solmecke im Interview mit n-tv am 07.04.16: http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Ich-glaube-eine-Anklage-wird-nicht-erhoben-werden-article17410246.html [Abgerufen am 10.04.2016]