Normen der Moral

Moralisch verwerflich ist es heutzutage in der Regel nach wie vor, wenn man jemanden anlügt, bestiehlt oder grundlos schlecht über Mitmenschen redet.
Diese Beispiele für Normen, die in unserer Gesellschaft ungültig sind oder Gültigkeit haben, könnte man „Moralnormen“ nennen. Sie regeln das soziale Miteinander und sind gewissermaßen Spielregeln, die das geregelte Zusammenleben sicherstellen sollen.
Moralnormen sind, wie bereits verdeutlicht, nicht dauerhaft von Bestand. Sex vor der Ehe hätte damals Überzeugungen verletzt und Unruhe in der Gesellschaft verursacht. Lügen bringt auch heute noch gesellschaftliche Probleme mit sich, weil ein gesellschaftliches Miteinander nicht funktionieren kann, wenn das Wort eines Mitmenschen nichts zählt.
Eine andere Sorte von Normen könnte man „Existenznormen“ nennen. Das Einhalten solcher Normen dient der Selbsterhaltung – entweder direkt und offensichtlich oder über Umwege.
Eine von fast allen Menschen akzeptierte Existenznorm lautet zum Beispiel: „Du sollst nicht töten“. Dass diese Norm mal mehrheitlich von der Gesellschaft grundsätzlich in Frage gestellt werden wird, ist relativ unwahrscheinlich, denn diese verbindliche Norm sichert unsere Existenz.
Unsere Vorstellungen von Moral werden von der Gesellschaft und von unserer Familie geprägt. Doch in wieweit können wir Normen der Moral eigenständig hinterfragen und neu bewerten?
Kann ein Mensch eigenständig unmoralische Vorstellungen, die ihm beigebracht wurden, abwerfen? Meiner Meinung nach ja.

Wenn Normen direkt aber auch indirekt eine Gefahr für die Existenz bedeuten, so ist meiner Ansicht nach der Mensch aus einem Urinstinkt heraus in der Lage, die Bedrohung zu erkennen. Das Verfolgen und Ermorden einer ethnischen Minderheit z.B. schadet auf Dauer der Gesellschaft, in der das Individuum lebt, und letztlich auch sich selbst, denn nur in einer stabilen
Gesellschaft herrscht Sicherheit. Diese Sicherheit würde verloren gehen, weil die Angehörigen der ethnischen Minderheit die direkte Bedrohung ihrer Existenz zu schützen und zu verteidigen suchen und damit gefährlich für die Gesellschaft werden. Auf so eine Existenznorm, die ein friedvolles Miteinander vorschreibt, kann man von selbst kommen.
Einfache Moralnormen, die konkrete Handlungen empfehlen oder verbieten, werden möglicherweise nicht so einfach hinterfragt. Hier sind Erfahrungen – also die Konfrontation mit einer Normabweichung – erforderlich. Wer sich mit Lügen durchs Leben mogelt, wird möglicherweise erst „bekehrt“, wenn er selbst Opfer einer Lüge wird, die empfindliche Konsequenzen auf sein Leben hat.
Das Überdenken von Normen ist also grundsätzlich möglich, wenn auch nicht immer ganz einfach. Zu oft sind wir in Meinungen festgefahren und haben Mühe, rationale Gedanken zu entwickeln, die auch Einfluss auf unsere Haltung zu etwas haben.
Dass Institutionen wie die katholische Kirche an Einfluss verlieren, zeigt uns aber, dass es durchaus Menschen gibt, die dazu in der Lage sind.

7 Kommentare

  1. Ein sehr durchdachtes und schön geschriebenes Stück Presse. Diesmal hast du es sogar geschafft es so seriös wie eine moderne wissenschaftliche Arbeit zu präsentieren, wobei ich sogar noch anmerken muss, dass ich wissenschaftliche Arbeiten gelesen habe, die noch nicht einmal an diesen Artikel heranreichen – fantastische Arbeit und mach nur weiter so!

    Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch etwas anzumerken hätte… Hab bitte Nachsicht mit mir. 😉

    “Kann ein Mensch eigenständig unmoralische Vorstellungen, die ihm beigebracht wurden, abwerfen? Meiner Meinung nach ja.” – Danach erleuterst du leider nur die Normen, die eine Gefahr für das Individuum oder dieGesellschaft werden können. Doch unsere Normen schützen uns nciht nur vor Gefahren, sondern optimieren auch unser Leben allgemein. Somit muss es nciht auf eine Bedrohung hinauslaufen, damit sich eine solche Norm herausbildet. Eine gewisse Motivation ist in der Regel dann dennoch von Nöten, doch diese kann dann andersweitig erworben werden, beispielsweise durch eine Optimierung des status quo.

    • Hey Paradox,
      schön mal wieder etwas von dir zu hören! 🙂
      Vielen Dank für das Kompliment!
      In der Tat haben Normen auch ihre guten Seiten, die ich hier nur ansatzweise ansprach, als ich die Stabilität der Gesellschaft erwähnte, zu der Normen beitragen.
      Das Thema ist sehr komplex und man hätte noch seitenweise darüber schreiben können. Vielleicht interessiert mich zukünfitg noch eine andere Facette und ich schreibe darüber.

      Viele Grüße und bis hoffentlich ganz bald wieder persönlich. 😉

    • Du hast mich leider missverstanden und das habe ich nur meiner mieserablen Ausdrucksweise zu verdanken, so dass man es gar nicht richtig hätte verstehen können, bitte um Entschuldgung.

      Was ich eigetlich meinte ist:
      “Doch unsere Normen schützen uns nciht nur vor Gefahren, sondern optimieren auch unser Leben allgemein.” – Soll heißen, dass die Normen nicht unbedingt durch “Gefahren” entstehen, sondern können auch aus einem neutralen Zustand hervorgebracht werden, somit kann auch schlicht eine Optimierung stattfinden ohne, dass sie zwangsläufig erforderlich wäre. Sie kommt also zu Stande, weil es Vorteile bringt, wobei das Nicht-einhalten der Normen in diesem Falle dann direkt keine Gefahr darstellen würde.

  2. Ich bin bedingt einverstanden. Der Ausdruck “Gefahr” ist sicherlich oft überspitzt. Es gibt sicherlich Normen, die keinen Schutz vor dem bieten, das wir “Gefahr” nennen.
    Aber auch deine Formulierung “neutrale(r) Zustand” halte ich für nicht ganz treffend, wobei wir eigentlich zunächst definieren müssten, was ein neutraler Zustand ist.
    Ausgehend von dem, was wir intuitiv für einen neutralen Zustand halten, behaupte ich zu sagen, dass daraus keine Norm hervorgehen würde. Entstehen Normen nicht vielmehr, weil wir negative Entitäten vermeiden/beenden/etc. wollen?

  3. Das stimmt, für gewöhnlich brauchen wir die Aussicht auf eine Verbesserung, damit wir agieren und dies gilt auch mit einem von negativen Entitäten behaffteten Zustand einher. Dies ist aber kein Widerspruch, da ich die Definition vom “neutralen Zustand” wohl leicht verborgen, aber doch geschrieben habe:
    “Sie kommt also zu Stande, weil es Vorteile bringt, wobei das Nicht-einhalten der Normen in diesem Falle dann direkt keine Gefahr darstellen würde.” -Hierbei ist das Wörtchen “direkt” wichtig, da ich damit die Auswirkungen eingrenze. Anderenfalls würde ich mir ja auch die Beweislast des Utilitarismus aufhalsen und alle nur möglichen Fälle zu kennen ist für mich schlicht unmöglich. So benutze ich aber nur die Normenentstehung aus Zuständen, die keine DIREKTE Verbindungen seitens der Norm besitzen. Ich betrachte also schlicht nur den einfacheren Fall.

    • Du meinst, dass das Nicht-Einhalten keine Gefahr darstellt, der Zustand vor dem Inkrafttreten der (nicht eingehaltenen) Norm aber nicht neutral sondern suboptimal ist?
      Dann stimme ich zu.

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