Misanthropen

Politische Ambitionen
Vor einigen Tagen kam in meinem Umfeld die spannende Frage auf, ob Misanthropen eine politische Meinung oder politische Ambitionen haben können. Ich persönlich glaube, dass dies gut möglich ist. Meine Argumentation möchte ich hier einfach mal darlegen.
Misanthropen sind Menschenhasser. Sie finden den Menschen verachtenswert und wollen mit ihm nichts zu tun haben. Deshalb isolieren sie sich von der Gesellschaft und nehmen in der Regel nicht am sozialen Leben teil. Dies müsste ebenfalls für ihr politisches Engagement gelten.
Politik sichert die gesellschaftliche Ordnung. Gesetze werden verabschiedet oder aufgehoben, um ein friedliches und organisiertes Miteinander zu gewährleisten – zumindest zählt das zu den Aufgaben der Politik.
Wenn also Misanthropen alle Menschen hassen und Politik die Organisationsstruktur der Menschen darstellt, so scheint es plausibel, dass Misanthropen keine politischen Ambitionen haben. Doch der Schein kann trügen.
Hier ein radikales Beispiel:

Misanthropie

Zum Einen kann man den Begriff „Politik“ weiter fassen. Es erscheint genau so möglich, eine zerstörerische Politik zu betreiben, die eine Gesellschaft zunächst ins Chaos stürzen und schließlich zerstören würde. Zum Anderen kann ein Misanthrop sowohl die Strategie des aus-dem-Weg-Gehens als auch eine aktive Konfrontationsstrategie betreiben. Er meidet also entweder andere Menschen und zieht sich so weit wie möglich zurück oder er hat die Ambition, menschliches Leben zu zerstören.
Und hier ist es – zumindest in einem Gedankenexperiment – möglich, dass der Misanthrop die Politik für seine Zwecke missbraucht, um sein Ziel – die Menschen loswerden – zu erreichen. Den Anfang könnte dabei eine Politik ähnlich der des dritten Reiches sein, nach der man zunächst Minderheiten beseitigt.
Auch wenn diese Ideen zum Glück wohl nicht umsetzbar sind, so könnte ein Misanthrop diese Ambitionen durchaus haben. Diesen Ambitionen liegt eine Meinung zu Grunde – eine Meinung, die im gewissen Sinne eine politische Meinung ist, sofern man sie umgesetzt sehen will.

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Natürlich würde es sich im beschriebenen Fall um eine extreme Form von Misanthropie handeln, welche jedoch auch bedacht werden sollte.
Aber auch einem nicht so extremen Misanthropen schreibe ich politische Ambitionen zu. So könnte er durch politische Eingriffe versuchen, die Gesellschaft und somit auch den einzelnen Menschen so zu formen, dass er seinen Vorstellungen entspricht. Ob ein solches Verhalten allerdings von Erfolg gekrönt wäre, ist eine andere Frage.

4 Kommentare

  1. Und wieder ein sehr gut durchdachtes Werk. Schön finde ich auch, dass du die Möglichkeiten der Gedankenexperimente nun öfter bedenkst.

    Ein Beispiel für deine Erörterung wäre der Joker aus dem Film “The Dark Knight”, der momentan wohl noch vielen Leuten bekannt sein sollte. Dort vernichtet der Joker nur aus der Lust am Leid und der Zerstörung – er braucht keine andere Gründe. Somit hasst er die Menschen nicht, ist aber dennoch gegen sie, was auch eine politische Instanz der Anarchiebewegung ist. Etwas, das übrigens von vielen, wie der Bewegung des Punk, Zuspruch findet.

    Nur ein kleines Manko in diesem Artikel: heute kann man die meisten Lebewesen der Welt leicht durch einen Knopfdruck aulöschen, siehe Atomwaffen. Dies hieltest du in dem Artikel jedoch für unwahrscheinlich. Bedenke aber solch eine Kleinigkeit wie die Kubakrise…

    • Hinzufügen wollte ich noch, dass der Joker an einer Stelle sagt, dass er das nur macht, weil er total durchgeknallt ist und gerne Pläne spinnt, um Menschen ins Chaos zu stürzen.

      Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Misanthropen eine politische Meinung haben können, gehe da allerdings nicht so in die Tiefe wie ihr. Je nach Definition ist “Politik” schon, wenn ich auf den “Gefällt mir”-Knopf bei Facebook klicke und dadurch zeige, dass mir irgendetwas gefällt, zB eine Demo, ein Konzert für den Frieden oder sonstige Aktionen. Der Begriff des politischen Engangements ist also recht unklar definiert, dennoch gehe ich davon aus, dass viele Dinge, die man heutzutage macht schon als politisches Engangement zu deuten sind. Der Herr Misanthrop darf natürlich genauso irgendetwas gut und schlecht finden wie andere Menschen. Er hat zwar eine recht radikale Meinung, dadurch dass er mit Menschen jetzt nicht gerade per du ist, aber das hat der Neo-Nazi ja schließlich auch. Bei dem, kann man ja auch von Politik sprechen, auch wenn er dort eigentlich nichts zu suchen hat!

      Gruß

      Fridolin Schloempel

  2. Warum hasst der Misanthrop Menschen? Doch nicht weil er als ein Menschenhasser geboren wurde, sondern weil er im Laufe der Zeit eine Einstellung entwickelt hat, die den Menschen z.B. als nicht “würdig zu leben” oder “unmoralisch” etikettiert. Eigentlich scheint es paradox: Der Menschenhasser versucht ein Leben abseits der Gesellschaft zu führen, dabei müsste er eigentlich sich selbst die Kugel geben.

    Und nun wird es interessant: Ein Misanthrop könnte natürlich, obwohl er sich selbst hasst, das Leben fortführen, um alles dafür zu tun, dass die Ära der Menschheit ein Ende findet. In diesem Fall kann der Misanthrop ein politisches Wesen sein.

    Der zweite Fall wäre ein solcher: Der Misanthrop hasst nicht sich selbst, sondern nur alle anderen Menschen, weil sie nicht seinen Idealen entsprechen. In diesem Fall müsste es noch nicht einmal das Ziel des Misanthropen sein, den Menschen auszurotten, sondern den Menschen die fehlenden Ideale näher zu bringen. Denn, der Misanthrop kann in diesem zweiten Fall nicht einfach pauschalisieren: “Alle Menschen sind schlecht, nur ich nicht”… er muss die Möglichkeit offen halten, dass es auch noch andere Menschen gibt, die seinen Idealen entsprechen (weil es ja sogar ihn gibt, der genau das tut)… und schon ist der Menschenhass nicht mehr allgemein. Eine Misanthropie müsste jedoch etwas grundsätzliches sein, um sich als etwas solches bezeichnen zu können. Alles andere wäre lediglich ein Problem des angeblichen Misanthropen mit bestimmten Bevölkerungsgruppen (und in gewisser Weise haben wir das ja alle). Jedenfalls wäre es dann das Ziel des angeblichen Misanthropen, die Menschen an seine Ideale heranzuführen oder nur einen Teil (wenn auch den vielleicht größten) der Menschen auszurotten… auch das könnte eine politische Ambition sein!

    Dann der dritte Fall und eigentlich erste Fall: Der Misanthrop hasst wirklich alle Menschen inkl. sich selbst (also die Art an sich), weil er meint, dass der Mensch von Grund auf ein Wesen ist, das man nur hassen kann, egal über welche Ideale und dergleichen es verfügt… dann kann er sich umbringen sofort umbringen… dann ist er weder Misanthrop, Mensch noch politisches Wesen. ^^

    Wenn die Begrifflichkeit “Politik” nicht so sehr an einer menschlichen Gesellschaftlichkeit haften würde, würde ich behaupten, dass sogar der Selbstmord dann gewissermaßen eine politische Handlung ist oder sein könnte!

    Fazit:
    Ja, der Misanthrop kann in den ersten beiden genannten Fällen definitiv ein politisches Wesen sein, wobei der zweite Fall meiner Meinung nach, wenn überhaupt nur eine eingeschränkte Misanthropie wäre. Im letzten Fall bin ich mir nicht sicher.

    • Vielen Dank für eure Meinungen! 🙂
      Ein großes Dankeschön an Deep. Du hast meinen Artikel sehr gut ergänzt und quasi erweitert mit weiteren Blickwinkeln, die du ausführlich dargestellt hast!

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