Und täglich nervt das Wahlplakat

Koalitionspoker – wie spannend

Genau vier Wochen sind jetzt seit der Bundestagswahl vergangen. Und ich empfinde es als sehr angenehm, dass mit etwas Verspätung auch die Wahlplakate aus den Städten verschwunden sind. Psychologen haben angeblich herausgefunden, dass Wahlplakate tatsächlich Einfluss auf unsere Einstellung zur jeweiligen Partei nehmen – und damit natürlich auch unsere Wahlentscheidung beeinflussen.

Ich persönlich kann mir das aber nicht wirklich vorstellen. Dafür sind die meisten Plakate zu inhaltslos und unkreativ gestaltet. Wobei: wenn Beeinflussung bedeutetet, dass ich die Parteien alle nicht wähle, die da für sich werben, dann stimmt es ja wieder, was die Psychologen sagen.

Man bedenke nur, was man mit den vielen Millionen Euros, die jede Partei für Wahlplakate und andere Werbung ausgibt, machen könnte. Vielleicht hätten wir sogar niemals Schulden machen müssen. Eigentlich könnten wir die alten Wahlplakate auch nach Griechenland exportieren. Vielleicht ist mit dem Gegenwert der Wahlplakate der nächste Rettungsschirm abgedeckt?! Und einen praktischen Nutzen hätten die Griechen sogar auch davon. Sie müssten die Fotos von Merkel und Co nicht mehr selbst mit den teuren Farbpatronen ausdrucken. Zum Verbrennen tut es dann auch das alte Wahlplakat der CDU – es hat die Kraft!

Aber Spaß beiseite. Über den Wahlkampf in diesem Jahr beschwere ich mich sicherlich nicht. Er war friedlich und still und ich hatte meine Ruhe. Den Journalisten mag das zwar so gar nicht gefallen haben, aber statt sich mit leeren Worthüllen und sonstigen Floskeln zu bewerfen, hat man im Großen und Ganzen einfach das getan, wofür die Pappnasen sogar von uns gewählt wurden: sie haben Politik gemacht. Nun darf über das „wie“ sicherlich gestritten werden. Aber dieser Streit ist ja kein neuer.

©Petra Morales/pixelio.de

Auch das TV-Duell vor nunmehr sieben Wochen lief – wir erinnern uns – sehr ruhig und gesittet ab. Einen klaren Sieger des Duells gab es nicht (von Stefan Raab mal abgesehen) und sogar die meiner Meinung nach belanglosen Gedankenspiele über mögliche und unmögliche Koalitionen wurden von Merkel und Steinbrück kurz, präzise und schmerzlos abgehandelt. Allein dafür hätte ich sie schon am liebsten beide gewählt.

In Kürze werden Journalisten und „Experten“ – natürlich viel zu früh – eine erste Bilanz der neuen Regierung und ihres Koalitionsvertrages ziehen – wenn die Koalition denn mal endlich gebildet wird. Man wird (hoffentlich nur gespielt) empört und enttäuscht feststellen, dass nicht alles von dem eingehalten wurde, was man uns versprochen hat. Mit ein bisschen Glück werden die Politiker, statt darauf einzugehen, einfach weiter Politik machen – so wie sie es in dem, was manche Menschen gemeinhin als „Wahlkampf“ bezeichnen – auch schon taten. Dann wären wir in diesem Land einen großen Schritt nach vorne gekommen.

Und aus der quälenden Routine heraus sage ich: ich freue mich schon auf die nächste Bundestagswahl. Bis in vier Jahren. Guten Abend!