Der künstlerische Wert von Dance-Musik

Dance is glorious
Cascada werden mit dem Song „Glorious“ beim Eurovision Song Contest Deutschland vertreten. Damit setzte sich das Dance-Projekt gegen 11 Konkurrenten durch.
In den Reaktionen darauf musste ich mal wieder Begriffe wie „Kirmes-Techno“ oder „Eurodance-Inferno“ lesen. Das sind gleichermaßen mutige wie auch dumme Bemerkungen.
Mutig sind die Bemerkungen, weil Dance-Musik in den letzten Jahren ein starkes Comeback gefeiert hat. Künstler wie Lady Gaga, Nicki Minaj oder David Guetta sind wochenlang ganz oben in den Charts und werden von sonst so „Dance“ hassenden Radiostationen rauf und runter gespielt. Künstler wie Rihanna oder Chris Brown änderten ihr Musik-Genre, um auf den Zug des Erfolges aufzuspringen. Und Cascada höchstselbst stießen 2009 den King of Pop vom Thron der britischen Charts, als dieser postum mit mehreren seiner Welterfolge die Charts dominierte.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=dTLHOpIN7v8]
Cascada – Glorious (LIVE)

Dumm sind die Bemerkungen, weil sie den kreativen und künstlerischen Wert dieses Musikgenres verkennen. Wertvoll scheinen aus Sicht vieler Kritiker grundsätzlich nur Lieder zu sein, die mit richtigen Instrumenten live gespielt werden können. Alles andere sei platt und kommerziell. Doch ist es die Ahnungslosigkeit, die die Kritiker nicht erkennen lässt, dass auch das Erschaffen von elektronischer Musik in ihrer ganzen Komposition ein kreativer Prozess ist, in dem jeder einzelne Ton so lange er- und bearbeitet und zu den anderen Tönen ergänzt wird, bis er sich vollständig und genau so in die Komposition einfügt, wie es sich der kreative Geist zuvor vorgestellt hat. Das ist ein anstrengender und kreativer Prozess, wie er auch beim Komponieren von handgemachter Musik stattfindet – und damit in keinster Weise einen geringeren künstlerischen Wert hat.
Wie in der Popmusik, im Rock, Hip Hop, Klassik etc. so gibt es auch im Dance-Genre Künstler, die mit flachen Produktionen lediglich Geld verdienen wollen. Bei „Dance“ wird dies leider völlig zu Unrecht verallgemeinert.
„Dance“-Musik macht sich nicht nur in Clubs und auf der Kirmes gut, sondern auch zu Hause oder in Bars usw.. Denn die eingängigen Melodien und die positiven, lebensbejahenden  und kraftvollen Gefühle, die diese Musikrichtung ausstrahlt, machen sich in vielen Bereichen des Lebens gut. Sie können aufheitern, Kraft und Trost spenden – und natürlich Partys zum kochen bringen. Eben all das, was auch jede andere Musikrichtung bei ihren Fans bewirkt.
Auch wird Künstlern des „Dance“-Genres unterstellt, sie könnten nicht singen und lassen deshalb ihre Stimmen verzerren. Auch dies trifft sicherlich auf einige Künstler zu. Aber auch dies gilt wieder für sämtliche anderen Genres ebenfalls. Effekte und/oder Verzerrungen in der Stimme sind ein Stilmittel und charakteristisch für diese Art der Musik und dient NICHT in erster Linie dazu, falsche Töne zu korrigieren. Natalie Horler – die Frontfrau von Cascada – ist hier der eindrucksvolle Beweis für die Wahrheit meiner Richtigstellung. Wer mir nicht glaubt, dem seien die unzähligen Auftritte im ARD Morgenmagazin empfohlen, bei denen sie ihre Songs unplugged und LIVE singt. Beim Eurovision Song Contest wird sie den Song „Glorious“ nicht unplugged performen, aber mit ihrer großartigen Stimme live singen.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=yQXnSIs8-20]
Cascada – Glorious (LIVE and unplugged)

Ich wünsche mir, dass Musikern und Gruppen aus dem „Dance“-Genre daher der selbe Respekt zu Teil wird, wie anderen Musikrichtungen. Man muss „Dance“-Musik nicht mögen und hören. Ihr aber deshalb per se einen geringeren künstlerischen Wert und geringere Qualität zuzuschreiben ist unfair und faktisch nicht richtig. Cascada und deren jahrelanger weltweiter Erfolg sprechen für sich.

2 Kommentare

  1. Das Genre ist mir völlig egal, aber ich finde den Song einfach schlecht. Es gibt auch gute Dance-Musik, auch von Cascada selbst, aber den “Glorious” gefällt mir einfach überhaupt nicht. Es hört sich viel mehr an wie eine Billig-Version des letztjährigen Gewinnertitels (den ich übrigens auch schon nicht so pralle fand).
    Aber wenn man sich so ansieht, was da noch so alles teilgenommen hat beim Vorentscheid war das alles ein rechtes Armutszeugnis. Zwei Songs waren darunter, die ich nicht so schlecht fand, darunter die eine Jazz-Nummer, aber die haben eben nicht den richtigen Impact den man bei, ESC braucht.
    Alles in allem denke ich, dass Deutschland es vielleicht nicht auf den letzten Platz schafft, aber auch nicht in die Top 10, es sei denn, der Kram aus den anderen Ländern ist da noch nieveautechnisch drunter.

    • Beim ersten Hören des Songs dachte ich mir: “Ein ESC Klischee-Lied, dass ruhig etwas peppiger hätte sein dürfen”. Mittlerweile gefällt mir der Song aber.

      Ich muss zugeben, dass ich kein Fan des Eurovision Song Contest bin. Einige der Lieder lerne ich durch das Internet oder durch Freunde und Bekannte kennen. Aber den Song Contest habe ich noch nie geguckt. Nur mal Ausschnitte davon.
      Allerdings habe ich den Eindruck, dass es dort nicht darum geht, welches Land den qualitativ besten Song hat. Vielmehr scheint es so zu sein, dass jenes Land gewinnt, welches die Zuschauer am besten unterhalten hat – egal ob durch einen verrückten und extravaganten Auftritt oder durch einen gezielt ruhigen und rein auf die Musik reduzierten Auftritt.
      Insofern verfolge ich die ganze Debatte um die Künstler beim Eurovision Song Contest mit einem Augenrollen. Der Geschmack der Leute ist so vielfältig und unterschiedlich. Da halte ich die Qualitätsdiskussion für etwas unpassend.
      Ich habe diese Diskussion jetzt zum Anlass genommen, um grundsätzlich mal für mehr Respekt und Toleranz gegenüber einem verschrienen Musik-Genre zu werben, das ebenso eine Daseinsberechtigung hat und Qualitätsmusik abliefert, wie jedes andere Genre auch.

Kommentare sind deaktiviert.