Gedanken zur Flüchtlingskrise

Wenn wir die Nachrichten einschalten, dann sehen wir hauptsächlich Flüchtlinge, die in völlig mangelhaften und menschenunwürdigen Unterkünften darauf warten, dass ihre Asylanträge bewilligt oder abgelehnt werden. Gleichzeit wächst nach Wochen der Hilfsbereitschaft auch die Anzahl derer, die sich vor der großen Zahl an Flüchtlingen ängstigen und sich fragen, ob wir sowohl politisch als auch menschlich mit diesem Ansturm an Flüchtlingen fertig werden. Diese Ängste sind absolut berechtigt und müssen ernst genommen werden. Bereits im April hat es nach einer Messerstecherei unter den Flüchtlingen eine große Schlägerei in einem Erstaufnahmezentrum in Hamburg gegeben.[1] Dieser Zwischenfall ist kein Einzelfall. Neben den teilweise katastrophalen Unterbringungen wird mittelfristig auch die andere Kultur der Flüchtlinge zur Folge haben, dass Flüchtlinge untereinander Konflikte austragen und mit den Deutschen Gewohnheiten und Gesetzen in Konflikt geraten.
Doch diese negativen Verhaltensweisen werden wir in aller Regel nur in den Nachrichten erleben. Der Grund: Die Flüchtlinge leben häufig abgeschottet in ihren Flüchtlingsheimen und nicht in den Städten unter uns. Gleichzeitig haben viele Deutsche Angst vor diesen Flüchtlingen – vor Menschen, zu denen sie in aller Regel keinen Kontakt haben und ihnen nicht einmal persönlich begegnen. Ihre Angst beruht auf abstrakten Medienberichten. Persönliche Erfahrungen negativer Art hat kaum ein Deutscher, der sich vor den Flüchtlingen ängstigt, gemacht. Er hat sich zudem kein ausreichendes Wissen über die aktuelle Situation angeeignet. Andernfalls würde er verstehen, dass ein Flüchtling nach dem ersten Monat seines Aufenthalts in Deutschland noch kein Deutsch sprechen kann und die wichtigsten Regeln unseres Grundgesetzes noch nicht verinnerlicht hat. Unser Umgang mit Frauen, Meinungsfreiheit, der Arbeit und unser Freizeitverhalten wird ihnen selbstverständlich sehr befremdlich vorkommen und es wird ihnen nicht möglich sein, deutsche Gepflogenheiten zu verstehen und direkt zu akzeptieren.

©uwest/pixelio.de
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Die Bewältigung der Flüchtlingskrise braucht neben einer politischen Lösung (Waffenlieferungen, Interventionen und Kriege sind Gründe für Menschen, ihre Heimat zu verlassen) auch das aktive Engagement der Bevölkerung. Dazu gehört, dass Flüchtlinge einen menschenwürdigen Wohnraum erhalten (warm, angemessene Hygiene, ein Mindestmaß an Privatsphäre u.a.), zeitnah nach ihrer Ankunft arbeiten dürfen und ihnen mit Geduld und Nachsicht die Regeln unseres Zusammenlebens beigebracht werden. Gleichzeitig muss es möglich sein, dass Flüchtlinge konsequent abgeschoben werden, wenn diese nicht willig sind, sich an die Regeln unseres Zusammenlebens zu halten. Man könnte zwar erwidern, dass diese Menschen nach geltendem Recht bestraft werden können. Doch werden sie das geltende Recht trotz Bestrafung nicht anerkennen, was Grundvoraussetzung für jemanden sein sollte, der aus einem anderen Land zu uns kommt.
Einen weiteren Aspekt möchte ich ansprechen: Europa hat bereits in Bezug auf Griechenland gezeigt, dass es als Wertegemeinschaft versagt hat.[2] In der Flüchtlingspolitik hätte es die Chance, sich auf verlorengegangene Werte zurückzubesinnen. Flüchtlinge in Millionenhöhe können nicht von einem einzigen Land alleine aufgenommen und versorgt werden. Ganz Europa sollte sich an der Aufnahme von Flüchtlingen beteiligen. Andernfalls wäre die Flüchtlingsproblematik bereits die zweite sehr große Krise in diesem Jahr, bei der der europäische Gedanke ignoriert wird.
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[1] Zum Focus-Artikel [Stand: 05.10.15]
[2] Meine Ausführungen dazu: hier klicken