Mein Abschied von Social Media

Nur (m)eine Meinung #61: Mein Abschied von social media

Social Media hat sich in den letzten 15 Jahren sehr gewandelt. Früher teilten Privatpersonen Anekdoten aus ihrem Leben. So konnten Freunde am eigenen Leben teilhaben und sich über Kommentare zu Erlebnissen austauschen. Das war besonders praktisch für Freunde und Verwandte, die weit auseinander wohnten und sich nicht häufig verabreden konnten.

Im Laufe der Jahre wurden die sozialen Netzwerke immer kommerzieller und destruktiver. Hater – bei denen es sich teilweise nicht mal mehr um echte Menschen, sondern um Bots handelt – schreiben Hasskommentare und Verschwörungstheorien. Influencer gaukeln uns ihr vermeintlich perfektes Leben vor und animieren uns dazu, ihre überteuerten Produkte zu kaufen. Extremerer Content verbreitet sich immer schneller, während gemäßigter Content vom Algorithmus ausgefiltert wird.

Die Freunde, mit denen ich über Facebook lange verbunden war, posten dort schon seit Jahren nichts mehr und sind zu Instagram und von dort teilweise zu TikTok weitergewandert. Auch dort sind sie überwiegend zu stillen Konsumenten geworden, ohne eigenen Content zu posten.

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©Tumisu/pixabay.com

In Kontakt mit Bekannten bin ich mit Hilfe der sozialen Netzwerke also schon lange nicht mehr. Stattdessen habe ich festgestellt, wie ich mehrfach täglich durch die Feeds scrolle, ohne gehaltenvolle Inhalte angezeigt zu bekommen. Fast kein Posting in meinem Feed stammte zuletzt noch von einer Seite oder Person, die ich geliked oder abonniert habe. Diese Sinnlosigkeit hat sich in den letzten Monaten immer weiter verstärkt. Sämtliche sozialen Netzwerke – vom guten alten Facebook über Instagram oder Threads – haben nur noch meine Zeit in Anspruch genommen, ohne einen positiven Nutzen zu haben.

So wie bei den meisten Menschen hat sich auch meine Handy-Bildschirmzeit in den letzten Jahren klar erhöht. Wenn man einen Nutzen davon hat, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Für mich war dieser Nutzen hingegen nicht mehr gegeben. Und da ich sowohl beruflich als auch privat Konsequenzen ziehe, wenn ich mit Umständen nachhaltig unzufrieden bin, habe ich mich entschieden, meine Accounts auf den Social-Media-Plattformen dauerhaft zu löschen.

Je nach Plattform bin ich nun seit Anfang/Mitte Januar 2026 gelöscht. Nachrichten konsumiere ich auf den seriösen Nachrichten-Apps oder Webseiten. Weitere Informationen recherchiere ich manuell oder mithilfe von KI (natürlich mit anschließendem Faktencheck). Kontakt zu meinen Freunden halte ich überwiegend auf Messanger-Apps, die nicht vom Meta-Konzern stammen. Nach den ersten zwei Monaten ohne soziale Netzwerke hat sich meine Handy-Bildschirmzeit reduziert. Ich vermisse rein gar nichts – weder irgendwelche Trends, die viral gehen, noch sonst irgendwelche vermeintlich wichtigen Ereignisse. Überflüssig sind die Netzwerke für mich schon seit Jahren. Jetzt bin ich sie endlich los und stolz darauf, gegen die Algorithmen gewonnen zu haben, die mich zu immer mehr Nutzung manipulieren wollten.

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Stefan Seefeldt

Blogger seit 2009. Podcaster seit 2011.

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