Wenn Klima-Protest sein Ziel verfehlt

Nur (m)eine Meinung #50: Wenn Klimaprotest sein Ziel verfehlt

Über den Klima-Protest der letzten Wochen: Bis zur endgültigen Räumung von Lützerath haben Klimaaktivisten den Ort besetzt und auch in diesen Tagen demonstrieren sie in der Umgebung gegen den Kohleabbau unter dem Dorf. Mit dabei sind auch die Mitglieder der „Letzten Generation“, die schon seit Monaten auf sich aufmerksam machen, indem sie Kunst beschädigen oder beschmieren und sich auf Straßen festkleben. Dass die Grünen in NRW den Deal mit RWE – wonach der Kohleausstieg auf 2030 vorgezogen, aber die Kohle unter Lützerath noch abgebaut wird – mitverhandelt und mitgetragen haben, enttäuscht die Klimaaktivisten zutiefst. Ich glaube jedoch nicht, dass die Grünen mit dem RWE-Deal ihre Wähler in großer Zahl verärgert haben.

Die breite Bevölkerung erkennt, dass die Demonstrationen rund um den Ort Lützerath ihr Ziel verfehlen. Vielmehr schaden sie dem Ziel, die Umwelt besser zu schützen. Aufgrund der Tatsache, dass der Kohleausstieg von 2038 auf 2030 vorgezogen wird, gewinnt die Natur 8 lange Jahre, in denen keine schädlichen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre geblasen werden. Hier werden CO2-Emissionen in Millionenhöhe eingespart. Bleibt Lützerath, verbessert sich gar nichts für die Umwelt. Denn bis 2030 wird in jedem Fall noch Kohle abgebaut. Würde man sie nicht in Lützerath abbauen, dann an anderer Stelle. Die Vernichtung von Lützerath ist bedeutungslos. Selbst die ehemaligen Anwohner des Dorfes sind längst vollständig umgesiedelt und ausbezahlt worden. Sie haben ein neues Zuhause mit neuen (und damit moderneren und energieeffizienteren) Häusern. Lützerath ist nichts weiter als ein Symbol und hat faktisch keinerlei Relevanz. Dies scheinen die Fridays-for-Future-Aktivisten nicht zu begreifen.

Caniceus Klimaprotest
©Caniceus/pixabay.com

Auch die Art und Weise des Protests schadet der Klima-Bewegung mehr als dass sie etwas Gutes bewirkt. Die Lügen um die angeblich durch die Polizei schwerverletzten Demonstranten, die Sachbeschädigung von Kunst und die Lahmlegung des Straßenverkehrs, unter der Menschen leiden, die nichts dafür können, nimmt der Klimabewegung die Seriosität und Glaubwürdigkeit. Wer sich auf diese unsägliche Weise Gehör verschafft, muss sich nicht wundern, wenn sie von der Bevölkerung nicht mehr ernst genommen und unglaubwürdiger als Klimawandel-Leugner wird.

Wo der demokratische und zivilisierte Rahmen von Protest gesprengt wird, verrät man Werte, die es zu verteidigen gilt und die man sich scheinheilig auf die eigene Fahne geschrieben hat.

Die Klima-Proteste der „Letzten Generation“ und die Aktionen rund um den Ort Lützerath verfehlen ihr selbstgestecktes Ziel: sich für den Umweltschutz einzusetzen und Menschen von der Relevanz dieses Ziels zu überzeugen. Weil mir der Schutz der Umwelt wichtig ist und ich keine überflüssigen Symbole brauche, halte ich den RWE-Deal für einen annehmbaren Kompromiss und freue mich darüber, dass der Kohleausstieg 8 Jahre früher kommen wird, als ursprünglich geplant. Die NRW-Grünen sind damit für mich das Gegenteil von Verrätern und die Klima-Aktivisten haben meine Solidarität verloren.

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