Kultur und Religion im Wandel

Auch in früheren Zeiten beanspruchten alle Religionen die Wahrheit für sich, was zu mehr oder weniger heftigen Auseinandersetzungen führte. Die Tatsache, dass man Menschen damals nicht zwischen Rassen unterschied, sondern nach Religion, Bildung und politischer Einstellung, trug ihren Teil dazu bei.
Aber was stellen wir nun eigentlich fest? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir nun den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart spannen. Auch heutzutage gibt es Völkerwanderung. Möglicherweise sogar in einem noch intensiveren Ausmaß als früher. Allein in Deutschland leben ungefähr zehn Millionen Menschen mit „Migrationshintergrund“. Die USA sind letztlich ein komplett zusammengewürfelter Haufen von Menschen aus der ganzen Welt.
Natürlich beeinflussen die „Neuankömmlinge“ unsere Kultur; also unsere Lebensgewohnheiten, Essgewohnheiten und auch unsere Religion.
Auf lange Sicht gesehen werden sich unsere Kulturen vermischen und dazu gehört auch die Religion. Das Zwischenprodukt (ein Endprodukt wird es niemals geben) kann man als neue Kultur betrachten.
Es wird Menschen geben, die unter diesen Veränderungen zu leiden haben. Und diese Menschen haben es auch nicht anders verdient. Besagte „Opfer“ der religiösen und kulturellen Veränderungen sind Menschen, die ihr kulturelles Gut gewahrt wissen wollen – obwohl dieses Gut selbst aus einer Vermischung von Kulturen hervorging.

Zugegeben: gewisse Glaubenssätze und Traditionen sind es wert, gewahrt zu werden, weil sie sich bewährt haben. Doch treten neue Glaubenssätze und Riten in Kraft, die z.B. unsere Freiheit einschränken, so wird es früher oder später Aufstände geben, die wiederum zu einem religiösen und kulturellen Wandel führen werden. Keine Minderheit hat sich bislang dauerhaft unterdrücken lassen, denn Existenznormen lassen sich nicht hinterfragen.
Und wir stellen fest, dass der Hang zur Gewohnheit ein Charakteristika des Menschen ist und die Tradition eine vermeidliche Konstante, die dem Menschen das Leben erleichtert.
Traditionsliebende Menschen können sich Empörung und Ärger ersparen, wenn sie mit Hilfe der geschilderten Fakten lernen, die kulturelle und religiöse Verlustangst zu überwinden. Denn niemand zwingt sie, ihre persönlichen Gepflogenheiten und Glaubenssätze abzulegen.