Dass Moral für unser alltägliches Zusammenleben entscheidend ist, scheint weitestgehend unumstritten zu sein. Würden wir keine Moral haben, wäre ein friedliches Miteinander wohl nicht möglich, da jeder seinen individuellen Interessen und Trieben nachgehen würde. Jeder würde sich nehmen, was er möchte und keine Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nehmen. Unsere gesellschaftliche Ordnung würde zusammenbrechen.
Was uns genau dazu bringt, moralisch zu handeln, ist jedoch keineswegs unumstritten. Eine gängige These beschreibt uns als Wesen, die nach moralischen Prinzipien handeln. Moralische Prinzipien sind Verhaltensregeln, die uns anleiten sollen, in den verschiedensten Situationen richtig oder gut zu handeln. Wer der Überzeugung ist, dass wir moralische Prinzipien brauchen, sieht sich der Frage ausgesetzt, nach welchen Prinzipien wir handeln sollen. Verschiedene Theorien führen verschiedene Prinzipien als gültig und gut an und versuchen uns zu erklären, wie wir in den unterschiedlichsten Situationen herausfinden können, wie wir zu handeln haben. Alle diese Theorien haben ihre Vorzüge und Schwächen.
Besonders im Hinblick auf die Alltagstauglichkeit – also die praktische Anwendung von Moraltheorien – treten Probleme auf. Sind Theorien in ihrem Konzept plausibel, scheitern sie oftmals an der Lebenswirklichkeit derer, die sie zur Anwendung bringen wollen. Denn für viele moralische Prinzipien lassen sich Gegenbeispiele finden, nach denen wir eine Handlung entgegen des jeweiligen moralischen Prinzips für richtig halten.

John Stuart Mill

Der Utilitarismus nach John Stuart Mill ist meiner Meinung nach eine vielversprechende Moraltheorie, die weitestgehend alltagstauglich zu sein scheint. Doch auch sie muss sich gegen berechtigte Einwände verteidigen, die eben diese Alltagstauglichkeit in Frage stellen. Im Verlauf dieser Arbeit werde ich nach einer kurzen Erläuterung des Utilitarismus nach Mill einige der gängigsten Kritiken und Mills Verteidigung gegen sie aufgreifen. Ich werde darlegen, was Kritiker auf Mills Verteidigungen erwidern könnten und wie wiederum Utilitaristen darauf reagieren könnten.Im Fazit dieser Arbeit werde ich die Frage beantworten, ob der Utilitarismus eine alltagstaugliche und damit geeignete Moraltheorie ist. Im Zuge dessen gelange ich zu einer grundsätzlichen Einschätzung über die Eignung von Moraltheorien als Grundlage unseres Handelns.

Zum Essay: Ist der Utilitarismus nach Mill eine alltagstaugliche Moraltheorie?

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